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Nordfrieslandlexikon
Wohnkultur

Wohnkultur In den friesischen Häusern spielte sich das gesamte Leben unter einem Dach ab. Eine Diele trennte den Stall vom Wohnteil, der in der Regel aus einer Küche mit Feuerstelle, zwei Wohnräumen und einer Kammer bestand. Der Vorzeigeraum des Hauses war der Pesel. Auch bekannt als „kalte Pracht“, war er nicht beheizbar und wurde nur bei großen Feierlichkeiten benutzt. Hier standen kostbare Schränke und Truhen mit der Aussteuer. Der Raum war holzgetäfelt, die Außenwände waren zumeist mit Fliesen belegt. Die bemalten Täfelungsfelder zeigten Landschaftsdarstellungen vor allem in Rot und Blau.

Der für das tägliche Beisammensein bestimmte Wohnraum, die Döns, war dagegen deutlich gemütlicher eingerichtet. Bettkasten und Schränke waren in die Wände eingebaut, die eine möglichst ebene Fläche bildeten und so den zu heizenden Raum verkleinerten. Was sich weiter an Mobiliar in der Stube befand, beschränkte sich meist auf eine an der Wand befestigte Bank, einen längeren Tisch und einige Stühle. Die Raummitte blieb eine freie Zone. Dem Fenster gegenüber stand der eiserne Beilegeofen, der Bilegger, der von der benachbarten Küche aus beheizt wurde. Die meist aus dem Harz oder Thüringen stammenden Eisenplatten waren mit biblischen und ritterlichen Szenen geschmückt. Die Wand hinter dem Ofen wurde später mit Fliesen belegt, wegen der Sauberkeit und auch um die Wärme länger im Raum zu halten.

In der Döns befanden sich auch die verschließbaren Wandbetten der Eltern, die Alkoven. Die größeren Kinder und das Gesinde schliefen in Wandbetten auf der Diele, in der Küche oder in der Kammer. Die Alkoven sind auffallend klein, denn die Menschen erreichten damals nicht die Körpergröße von heute. Außerdem schlief man halb im Sitzen, mit angezogenen Knien.

Nordfriisk Instituut.