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Nordfrieslandlexikon
Wandt, Jens Sörensen

Wandt, Jens Sörensen * 1875 Dänemark, † 26.5.1950 im Wattenmeer ertrunken, Vogelwart. Wandt, nach anderen Quellen auch Wand, war von 1909 bis zu seinem Tode jeweils von Frühjahr bis Herbst für den Verein Jordsand Vogelwart auf Norderoog und eine der prominentesten Persönlichkeiten der Halligwelt. Zu seinen Aufgaben gehörten das Führen der Vogelstatistik, das Zählen der verschiedenen Bestände und die Auflistung der Populationen mit Zu- und Abgängen. Ferner befestigte er die Halligkante unter Anleitung des Marschenbauamts Husum, das auch die Materialien dafür zur Verfügung stellte. Krönung seines außergewöhnlichen Lebens war die Erhaltung einer Kolonie von Brandseeschwalben. Der „Vogelkönig von Norderoog“ ertrank bei einem Fußmarsch von Hooge nach Norderoog. Er ist auf dem Friedhof von Hooge begraben.

Banck o. J., Riewerts 1991.


Jens Wand, der „Hallig-Robinson“, gehörte zu den meistgemalten und am häufigsten fotografierten Halligbewohnern seiner Zeit. Sein eigenes Ende vorausahnend, soll er im Frühjahr des Jahres 1950 gesagt haben: „Eenmal halt de Woogen mi doch“.

In den Husumer Nachrichten wurde 2011 rückblickend über den Tod des Vogelwarts berichtet: „Petersen schildert das Ereignis bei der Rückkehr aufs Festland so: ,Mein Freund und ich und Rolf Venzl, ein Hobby-Ornithologe, brachen am Freitagmorgen um 1.30 Uhr auf. Wir gingen durch das Watt nach Hooge. Wir mussten um vier Uhr das Post-Schiff zum Festland erreichen. Jens Wandt führte uns.‘ Bald habe er anhand seines Kompasses gemerkt, dass Wandt viel zu weit nach rechts marschierte, nämlich direkt auf das Rummelloch mit seiner lebensgefährlichen Strömung zu. ,Wir konnten ihn Gott sei Dank umstimmen. Nach fast zwei Stunden erreichten wir glücklich Hooge und das Schiff‘, berichtet er. Kaum angekommen, stritten sich Venzl und Wandt. Der Hobby-Ornithologe Venzl, der auf Norderoog einen Film drehte, hatte vorgeschlagen, das Niedrigwasser und die Helligkeit abzuwarten. ,Wir schlugen uns auf Venzls Seite und gaben unseren Senf dazu, aber Wandt ignorierte uns‘, so Petersen. Er wollte unbedingt zurück. Wieder schlug er einen falschen Kurs ein. An einem Priel trennte sich Venzl schließlich und ging – nach einem erneuten Streit – den direkten Weg zurück. Während Venzl mit Hilfe eines Kompasses schon nach 300 Metern auf Norderoog ankam, hatte Wandt keine guten Karten. Er musste sich der rasch auflaufenden Flut geschlagen geben. Er konnte sich nur noch auf einen erhöhten Punkt retten. Nach den Aufzeichnungen Venzls schlug Wandt bei eintretender Ebbe den Weg nach Hooge ein. Doch plötzlich war er aus Venzls Blickfeld verschwunden. Wandt kam nie auf Hooge an. Am nächsten Morgen wurde seine Leiche 150 Meter nördlich von Norderoog angeschwemmt.“

Husumer Nachrichten, 28.1.2011.