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Nordfrieslandlexikon
Wahlsprüche

Wahlsprüche Wie bei „Trutz, blanke Hans“ hat ein Gedicht von Detlev von Liliencron (1844–1909) entscheidend beigetragen zur Popularität des Friesenwahlspruchs „Leewer duad üüs slaaw“ („Lieber tot als Sklave“), nämlich die Ballade „Pidder Lüng“. Als der Amtmann von Tondern die drückenden Steuern kassieren und damit die Unterwerfung der Sylter unter den ungeliebten dänischen König erzwingen will, so dichtete Liliencron im nationalen Geist seiner Zeit, erstickt der stolze Friese ihn im Grünkohl.

Formuliert wurde der von dem Poeten künstlerisch aufgearbeitete Spruch wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem ersten Volksfest der Nordfriesen am 10. Juni 1844 in Bredstedt. Dort wurde er auf einer Fahne erstmals öffentlich gezeigt. Es ging bei dieser Demonstration allerdings weniger um die friesische Freiheit als vielmehr um die Unabhängigkeit der deutschen Schleswig-Holsteiner von Dänemark. In der Auseinandersetzung um die deutsch-dänische Grenze nach dem Ersten Weltkrieg und in der Zeit des Nationalsozialismus wurde das selbstbewusste friesische Motto vielfach als politisches Schlagwort missbraucht.

Auf Empfinden und Denken des einzelnen Menschen zielt der von Sylt stammende Wahlspruch „Rüm hart, klaar kiming“ („Weites Herz, klarer Horizont“). In Eiderstedt ist es Brauch, auf Martje Flohrs’ (1689–1747) Gesundheit zu trinken: „Et gah uns wohl op unse olen Dage“ („Es gehe uns wohl auf unsere alten Tage“). Erst im 20. Jahrhundert sicher nachgewiesen ist ein altertümlich anmutender Ausdruck des Stolzes auf die wohl größte Leistung der Friesen, die Gewinnung von vielen Hundert Quadratkilometern kostbaren Siedlungs- und Wirtschaftslandes aus dem Meer: „Deus mare, Friso litora fecit“ („Gott schuf das Meer, der Friese die Küste“). Das treffende Wort wird insbesondere in Büchern und Schriften über Deichbau und Köge immer wieder zitiert.

Nordfriisk Instituut.