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Nordfrieslandlexikon
Sylt

Sylt (sölr.: Söl; abgeleitet von altfriesisch Sül bzw. dänisch Sild = Schwelle, Sockel) Die nordfriesische Insel Sylt ist mit einer Fläche von etwa 99 Quadratkilometern die größte deutsche Nordseeinsel und nach Rügen, Usedom und Fehmarn die viertgrößte Insel Deutschlands. Sie liegt etwa 20 Kilometer westlich des deutschen und dänischen Festlands, ihr Ostzipfel bei Nösse reicht aber bis auf acht Kilometer Luftlinie an den Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog heran. Geografisch liegt die Insel auf dem 55. Breitengrad und damit auf der Höhe von Königsberg, Labrador, Alaska oder Sibirien. In Nord-Süd-Richtung befindet sich Sylt auf einer Linie mit den Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien. Die Nord-Süd-Ausdehnung der Insel beträgt 38,5 Kilometer, von West nach Ost werden zwischen 12,6 Kilometer (Westerland-Morsum) und nur 350 Meter an der schmalsten Stelle südlich von Rantum erreicht. Der Umfang Sylts beträgt 107 Kilometer. Die höchste natürliche Erhebung ist die Uwe-Düne westlich von Kampen mit 52,5 Metern über Normal Null. Der höchste Punkt der Geest liegt mit 27 Metern über NN ebenfalls bei Kampen. Darauf steht der Leuchtturm „Rotes Kliff“, der mit einer Gesamthöhe von 65,2 Metern die Dünenkette überragt. Ziemlich steil fallen die Küstengebiete bei den vier Sylter Kliffen ab.

Seit 2009 bilden Westerland und die Gemeinden Archsum, Keitum, Morsum, Munkmarsch, Rantum und Tinnum die amtsfreie Gemeinde Sylt mit rund 13.450 Einwohnern (2015). Hörnum, Kampen, List und Wenningstedt-Braderup gehören zum Amt Landschaft Sylt mit 4.330 Einwohnern. Hinzu kommen noch etwa 11.000 Zweitwohnungsbesitzer.

In der Geschichte erscheint Sylt erstmals in Urkunden des 12. Jahrhunderts, besiedelt waren Teile des Inselgebietes allerdings bereits seit der Jungsteinzeit, wie Grabhügel und Steingräber wie der Denghoog bei Wenningstedt bezeugen. Die Sturmflut von 1362 brachte schwere Landverluste. Vom späten 14. Jahrhundert an formte sich dann die langgestreckte Gestalt der heutigen Insel nach und nach heraus. Das Zentrum bildet ein Geestkern, dem sich als einziges größeres Stück Marsch der Nössekoog anschließt. Das typische Sylter Landschaftsbild aber ist geprägt von Dünen und Heide. Am Westufer der Insel liegt ein mehr als 35 Kilometer langer ununterbrochener Sandstrand. Beim Roten Kliff bei Kampen und am Morsum-Kliff treten die in der Eiszeit abgelagerten Gesteinsformationen zutage und gestatten einen Blick in die geologische Vor- und Frühgeschichte der Landschaft.

Seit den Landschaftsveränderungen des späten Mittelalters lebten die Sylter zunächst hauptsächlich vom Fischfang. Vom 17. Jahrhundert an nahmen sie am Walfang und an der Seefahrt teil. Ende des 18. Jahrhunderts wurden unter rund 2.500 Syltern mehr als 100 Kapitäne gezählt. Aus Kapitänsfamilien stammten auch Uwe Jens Lornsen (1793–1838) und Schwen Hans Jensen (1795–1855), die für die Geschichte Schleswig-Holsteins und auch Sylts im 19. Jahrhundert eine große politische Bedeutung erlangten. Ein weiterer Kapitänssohn, der Küster und Schulmeister Christian Peter Hansen (1803–1879), fand mit seinen Büchern und Schriften über die Geschichte Sylts großen Anklang vor allem bei den Feriengästen, denn 1855 war das Seebad Westerland gegründet worden. Das Dorf entwickelte sich in wenigen Jahrzehnten zu einem mondänen Badeort.

Den größten Aufschwung brachte der Anschluss an Preußen und an das deutsche Kaiserreich, dessen gehobenes Bürgertum die Sommerfrische an der See kultivierte. Künstler – vor allem Maler – und Intellektuelle entdeckten den Reiz der Sylter Landschaft. Als Gegenströmung bildete sich ein neues, friesisches Heimatbewusstsein heraus. 1905 wurde der Heimatverein Söl’ring Foriining ins Leben gerufen, 1909 kamen viele Hundert Inselfriesen auf Initiative des Keitumers Nann Mungard (1849–1935) zu einem großen Friesenfest auf Sylt zusammen. Heute sprechen kaum mehr als 700 Menschen Sölring, den Sylter Dialekt des Friesischen.

Bei der Volksabstimmung von 1920 entschieden sich weit mehr als drei Viertel der Sylter Bevölkerung für den Verbleib der Insel bei Deutschland. Als ein „Wahrzeichen deutscher Art“ galt vielen Syltern auch der Hindenburgdamm. Die Geschichte der Insel kann im Sylter Heimatmuseum und im Altfriesischen Haus in Keitum studiert werden. Alte Unterlagen findet man im Sylter Archiv in Westerland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Sylt als Insel „der Reichen und der Schönen“ zum wohl prominentesten Teil Nordfrieslands. Vor allem Kampen mit seinen bekannten Lokalen und den bis heute teuersten Immobilienpreisen in Deutschland wurde legendär. Zum Schutz der Inselküste und zur Erhaltung des Badestrandes werden alljährlich Sandaufspülungen vorgenommen. Als beliebtes Verkehrsmittel diente bis 1970 die Inselbahn, bevor sie dem Druck des Individualverkehrs weichen musste.

Kunz/Steensen 2014.