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Nordfrieslandlexikon
Störtewerker Koog

Störtewerker Koog (frasch: Störtewärkskuuch) Anfang des 16. Jahrhunderts ragte ein Ausläufer des Bottschlotter Tiefs in die Bucht zwischen Langenhorner, Bargumer und Kohldammer Koog hinein und gefährdete in zunehmender Weise die alten Deiche. Mit einem offenen Brief an die Bewohner dieser Köge ordnete König Christian III. (1503–1559) zu Beginn des Jahres 1544 die Errichtung eines neuen Deiches von Efkebüll zum Kohldammer Koog an. Als besondere Schwierigkeit war die Durchdämmung der Soholmer und der Lecker Au zu erwarten.

Im weiteren Verlauf des Jahres wurden die Herzogtümer Schleswig und Holstein zwischen Christian und seinen beiden Stiefbrüdern aufgeteilt, was den geplanten Deichbau zusätzlich erschwerte. Die nördlich der Soholmer Au gelegenen Bereiche der Bökingharde und der Karrharde kamen zum herzoglichen Amt Tondern, die südlich der Au gelegene Nordergoesharde wurde zum königlichen Amt Flensburg gelegt. Im Verlauf der Deicharbeiten erwiesen sich die herzoglichen Untertanen als wenig hilfreich, sodass erst nach ernsthaften Mahnungen des Landesherrn und mit Unterstützung eines Pfahlmeisters aus Ostfriesland die Soholmer Au durchdämmt und 1547 der rund 6,5 Kilometer lange Deich geschlossen werden konnte.
Für die Arbeiten waren 400 Sturzkarren gestellt worden. Dabei handelte es sich um von Pferden gezogene zweirädrige, breitspurige Wagen mit einem Kasten, der nach hinten abgekippt werden konnte. Sie wurden auch „Störten“ genannt und gaben dem über 1.400 Hektar großen Koog seinen Namen. Bis 1577, dem Eindeichungsjahr des Waygaarder Kooges, bzw. 1641, als der Maasbüller Herrenkoog gewonnen wurde, hielten die Deiche des Störtewerkerkooges die Meeresfluten zurück. Durch weitere Vordeichungen wurde das Meeresufer schließlich über sieben Kilometer nach Westen verdrängt. Das Koogsgebiet begrenzen heute die Lecker Au und der Bongsieler Kanal. Der Koog war bis 1974 selbstständige Gemeinde im Amt Bökingharde und wurde dann nach Stedesand eingemeindet.

Kunz 2010, Kunz/Panten 1999.