geöffnet
Nordfrieslandlexikon
Störche

Störche (fer.: aarebaarin; frasch: storke; sölr.: Störken; wied.: stoorke) sind Schreitvögel mit langem Hals, langen Beinen und einem langgestreckten Schnabel. Vorherrschend in Europa ist der Weißstorch mit rotem Schnabel und roten Beinen. Er gehört zu den Langstreckenziehern und legt jährlich rund 20.000 Kilometer zurück, um die afrikanischen Winterquartiere zu erreichen und wieder in die Brutgebiete zurückzukehren. Sie fliegen mit ausgestrecktem Hals, sind gute Segler und nützen auf ihrem weiten Flug z. T. bis nach Südafrika Aufwinde über Land aus. Deshalb wählen sie ihre Routen über Gibraltar oder den Bosporus und nicht direkt über das Mittelmeer. In seltenen Fällen ist auch der Schwarzstorch in Nordfriesland zu beobachten.

Störche sind Fleischfresser und ernähren sich u. a. von Fröschen, Fischen, Kaulquappen, Schlangen, Eidechsen, Wühlmäusen, Maulwürfen und großen Insekten. Zum Brüten benutzen sie oft dasselbe Nest hoch über der Erde auf Bäumen und Dächern. Meistens werden drei bis fünf Eier gelegt mit gutem Bruterfolg. Beide Partner sind für die Beschaffung von Nahrung zuständig. Nach 90 bis 100 Tagen sind die Jungstörche flügge. Die Lebenserwartung liegt bei über 20 Jahren, in Gefangenschaft können die Tiere sehr viel älter werden.

Brütende Storchenpaare gehörten einst zum vertrauten Bild der sommerlichen Landschaft in Nordfriesland. Um 1900 gab es z. B. auf Föhr etwa zehn Nester. Durch die veränderten Lebensbedingungen durch Flurbereinigung und Entwässerung blieben sie mehr und mehr fern. Fast alle mitteleuropäischen Arten sind mittlerweile stark gefährdet. In privater Initiative wurden in den 1990er-Jahren in einem Gehege in Wyk wieder Störche angesiedelt, die sich auch vermehrten. Die Tiere werden immer zutraulicher und haben sich das „Betteln“ in der Stadt angewöhnt. Nahrungsmittel wie Brot, Kekse oder Pommes frites sind aber schädlich für die Störche, und die Jungen, an die sie weitergegeben werden, sterben daran.

2016 wurden auf dem Festland in den Gemeinden Ahrenviöl, Ahrenviölfeld, Bohmstedt, Horstedt, Oster-Ohrstedt, Ramstedt, Rantrum, Rott, Seeth, Viöl, Winnert und Wisch 15 Storchenpaare gezählt. Drei davon brüteten erfolgreich, sieben Jungstörche wuchsen heran. Auf Sylt wurden in Tinnum zwei Jungstörche aufgezogen. Die Störche in Sankt Peter-Ording und auf Föhr werden in einer gesonderten Statistik geführt, weil sie dort fütterungsabhängig sind. In Sankt Peter-Ording lebten 18 Paare mit 46 Jungen und auf Föhr acht Paare mit fünf Jungen.

Quedens 2012, Sieck 2013.