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Nordfrieslandlexikon
Schweinswale

Schweinswale (fer.: swinswaaler; frasch: tümlere; sölr.: Miarswin) sind mit einer Länge von etwa 1,50 Metern die kleinsten aller Wale. Sie gehören zu den Zahnwalen und bevorzugen Küstengewässer. Im Bereich der nordfriesischen Inseln und Halligen sind sie bei ihrem häufigen Auftauchen und Atemholen gelegentlich zu beobachten. Kennzeichnend ist ihre dunkle, dreieckige Rückenflosse. Ein Schweinswal braucht täglich etwa zwei Kilogramm Futter, für die er 12 bis 17 Stunden jagen muss. Er ortet seine Beute wie ein Delphin mit Ultraschall-Klickgeräuschen, die ihm auch nachts und in trübem Wasser zum Erfolg verhelfen. Um die Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Meeressäuger eine regelmäßige Erscheinung im Wattenmeer. Wegen Überfischung ihrer Beutetiere wie Plattfische, Heringe und Makrelen gelangten sie auf die „Rote Liste gefährdeter Tier- und Pflanzenarten Deutschlands“. Außerdem blieben in den Netzen der Fischer jährlich über 7.000 Tiere hängen und ertranken. Erst seit Anfang der 1990er-Jahre treten sie wieder vermehrt auf. Der Grund ist wahrscheinlich eine Änderung der Wanderrouten und Aufenthaltsorte der Tiere.

Zu einem bedeutenden Aufzuchtgebiet der „Kleinen Tümmler“ wurden die Gewässer vor Nordfriesland und Jütland. Schätzungen gehen von durchschnittlich 6.000 Tieren allein vor Sylt und Amrum aus, wo die Schweinswalmütter ihre Jungen betreuen. Der Nachwuchs wird im Mai/Juni geboren und bis zu acht Monate lang gesäugt. Bei einer Novellierung des Nationalparkgesetzes wurde 1999 in der Zwölf-Meilen-Zone vor den nordfriesischen Inseln das erste Walschutzgebiet Europas ausgewiesen, das die Tiere insbesondere vor den Gefahren der Stellnetzfischerei und vor schnellen Wasserfahrzeugen bewahren soll.

Borcherding 2014, Koch 1996c, Quedens 2000a, Schutzstation 1993.