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Nordfrieslandlexikon
Sankt Johannis (Föhr)

Sankt Johannis (fer.: Santnessark; Njiblem sark) in Nieblum auf Föhr gilt mit über 1.000 Sitzplätzen als eine der größten Dorfkirchen in Schleswig-Holstein. Größe und reichhaltige Ausstattung erklären sich wohl daraus, dass Sankt Johannis im Mittelalter die Hauptkirche für Westerlandföhr und Amrum war. Das deshalb auch mit dem Beinamen „Friesendom“ versehene Gotteshaus liegt etwa in der Mitte des nördlichen Dorfrandes. Es handelt sich um einen Backsteinbau aus dem frühen 13. Jahrhundert. Er besteht aus Apsis, Chor, Langhaus, Nord- und Südquerhaus und einem 32 Meter hohen, dreigeschossigen Turm mit Satteldach. Chor und Querhäuser sind wie die Sakristei und ein Vorhaus vor dem Südquerhaus gewölbt, das Langhaus ist flachgedeckt. Im Sockelbereich wurden behauene Granitquadersteine verwendet, die bereits zu einer Vorgängerkirche gehört haben können. Der Turm besteht aus rheinischem Tuffstein, der mit Backsteinen verblendet wurde. Seit 2006 wird die Kirche rundherum renoviert. Teile des Daches wurden erneuert und die Fassade zu weiten Teilen wiederhergestellt.

Ältestes Inventarstück ist ein Granittaufstein aus dem 12. Jahrhundert mit frühchristlichen Ornamenten. Der hölzerne Aufsatz des Altars wurde 1487 geschnitzt. Er zeigt die Krönung Marias zur Himmelskönigin. Zwölf Apostelfiguren sowie Papst Silvester († 335) und Johannes der Täufer beobachten die Szene. Auf der Rückseite befinden sich zwei Gemälde, die vermutlich niederländischer Herkunft sind: „Namengebung“ und „Predigt des Täufers“. Die beiden Gemälde auf dem Altarsockel haben die Fußwaschung und das Abendmahl Christi zum Thema und wurden 1753 von dem schwedischen Maler Carl Gustav Ehrenfried hinzugefügt.

Im Chorraum steht eine überlebensgroße, holzgeschnitzte Figur. Sie zeigt Johannes den Täufer, den Namenspatron der Kirche. Er steht triumphierend auf dem liegenden Herodes und trägt ein Lamm. Die Figur stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die Renaissance-Kanzel von 1618 wurde in der Flensburger Werkstatt von Heinrich Ringerink (1565/70–1629) hergestellt und zeigt in acht Feldern biblische Szenen mit niederdeutschen Bibelsprüchen und Stifterinschriften auch in lateinischer Sprache. Das Epitaph Jacobs von 1613, ebenfalls von Ringerink geschaffen, stammt aus der in der Sturmflut von 1634 zerstörten Kirche zu Königsbüll auf Alt-Nordstrand. 1913 stiftete die Witwe des Kapitäns Paul Nickels Paulsen (1812–1882) der Kirche eine Abendmahlskanne, ein Geschenk von Passagieren, die durch seine Umsicht aus Seenot gerettet worden waren. Auf der Westempore des Langhauses befindet sich die 1838 in klassizistischen Formen erbaute Orgel. 1976 wurde sie durch ein Rückpositiv erweitert. Eine der beiden Glocken stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert, die andere wurde 1978 von einem Unbekannten gestiftet.

Auf dem Kirchhof zeugen über 280 „redende“ Grabsteine vom bewegten Leben in früheren Jahrhunderten. Die alljährlich stattfindenden „Sommerkonzerte im Friesendom“ erfreuen sich großer Beliebtheit.

Habich 1994, Jensen 1927, Koops 1987, Sauermann 1939.


Im Kircheninventar von 1782 wird erwähnt, dass zu Sankt Johannis 725 Stellen ihre besonderen Eigentümer hatten. Diese Plätze wurden vererbt oder verkauft. Die restlichen Plätze wurden Jahr für Jahr durch die Sitte des steedengripen verteilt. Dazu heißt es weiter: „Die übrigen Kirchenstellen gehören der Kirche eigentümlich, davon 218 der besten Frauenstellen mittels einer Lotterey jährlich unter den Eingepfarrten verteilet werden, gegen eine gewisse jährliche Häuer von 225 Mark Courant. Die wenigen Mannstände auf der sogenannten langen Bühne werden jährlich an die Meistbietenden verhäuert. Die entferntesten Mannstände unter der Orgel und Frauenstellen unter der neuen und kleinen Bühne sind zum allgemeinen Gebrauch für Fremde und Arme bestimmt, welche solche unentgeltlich besitzen.“