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Nordfrieslandlexikon
Sankt Clemens

Sankt Clemens in Nebel auf Amrum ist die größte Kirche der Insel. Sie ist dem Schutzpatron der Seefahrer geweiht. Die Kirche wurde vermutlich 1236 erbaut und 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Einem einfachen Holzbau folgte später ein einschiffiger, turmloser Bau im Stil der Romanik aus Backsteinen und Feldsteinen. Auf der Südseite liegt der Anbau Kastbarshüs, der als Leichenhalle genutzt wird. Das Dach der Kirche ist bis auf den Turm mit Reet gedeckt. Das schmale Kirchenschiff vermittelt den Eindruck eines Schiffskörpers.

Zur Innenausstattung gehört eine hölzerne, frühgotische Apostelgruppe, die bei einer Sturmflut angeschwemmt worden sein soll. Der kelchförmige Taufstein stammt aus romanischer Zeit. Er wird etwa auf das gleiche Alter wie die Kirche geschätzt. 1634 wurde ein Flügelaltar errichtet, aus Dankbarkeit, dass die große Sturmflut gut überstanden wurde. Der heutige Altar aus Rotsteinen im Klosterformat entstand 1936. Eine alte Grabplatte dient als Deckstein. Die Kanzel wurde 1623 aus Tannenholz gefertigt. Der fünfseitige Schalldeckel von 1662 trägt Dreiecksaufsätze. 1692 wurde in einem kleinen, freistehenden Holzgestell eine Betglocke aufgehängt. Der 36 Meter hohe, kupfergedeckte Kirchturm mit einer größeren Glocke entstand 1908. Bei Renovierungsarbeiten 1957–1960 wurde ein niedriger Chorbogen eingebaut. 1886 erhielt die Kirche eine Marcussen-Orgel. Sie wurde 1981 durch ein Instrument der Firma Becker ersetzt.

1739 bis 1875 waren mit kurzer Unterbrechung drei Mitglieder der Familie Mechlenburg Pastoren an der Kirche, zuletzt Lorenz Friedrich Mechlenburg (1799–1875), der ein Wörterbuch für das Öömrang verfasste.

Die Sankt-Clemens-Kirchengemeinde ist Eigentümerin eines Exemplars des „Missale Slesvicense“, eines 1486 von Steffen Arndes (um 1450–1519) gedruckten Messbuchs, das in nur vier Exemplaren erhalten ist und als ältestes in Schleswig-Holstein gedrucktes Buch gilt. Es wurde zuletzt 2009 in der Kirche ausgestellt.

In der Nordwestecke des Friedhofs befinden sich rund 150 „redende“ Grabsteine aus der Zeit von 1670 bis 1830. Sie wurden 2013 renoviert und stehen zum großen Teil unter Denkmalschutz. Der Friedhof der Heimatlosen gegenüber der Mühle wurde 1905 angelegt. Bis 1969 bestattete man hier nicht identifizierbare angeschwemmte Wasserleichen.

Nordfriisk Instituut.