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Nordfrieslandlexikon
Salzwiese

Salzwiese (sölr.: Ingi) nennt man das begrünte Vorland im Watt vor dem Landesschutzdeich. Die Salzwiesen an der schleswig-holsteinischen Westküste umfassen eine Fläche von rund 10.000 Hektar, wovon etwa 3.000 Hektar auf die nordfriesischen Inseln und Halligen entfallen.

Die Vorlandwiesen sind mit etwa 55 verschiedenen, mehr oder weniger salzverträglichen Pflanzenarten bewachsen. Je nach Höhenlage besiedeln sie ihre typischen Zonen. Im ufernahen Watt bilden sich bei einer Überflutungshäufigkeit von etwa 700 Mal im Jahr inselartige Wiesen aus Queller. Auf dem höheren Vorland, das nur noch 100 bis 200 Mal jährlich überflutet wird, entsteht die Andelwiese. Hier gedeihen auf großen zusammenhängenden Flächen Andelgras, Strandaster, Strandflieder, Keilmelde u. a. In Deichnähe bei nur noch seltenen Überflutungen von etwa 10 bis 70 Mal im Jahr bildet sich die Rotschwingelwiese. Selbst bei intensiver Schafbeweidung von neun bis zwölf Tieren pro Hektar gedeihen hier Pflanzen wie der Strandwegerich sowie Strandgrasnelke, Strandwermut, Strandtausendgüldenkraut oder die Bottenbinse. Ohne Beweidung wächst die Vegetation hoch auf und erzeugt einen bunten Teppich mit Strandastern, Strandbeifuß und Strandflieder.

In den Salzwiesen leben etwa 2.000 Tierarten, die Artendichte ist hier 750 bis 900 Mal so hoch wie z. B. in der Nordsee. Es wird geschätzt, dass über 50 Prozent der Tierarten der Vorländer in anderen Lebensräumen nicht zu finden sind. U. a. suchen auch pflanzenfressende Küstenvögel ihre Nahrung in den Salzwiesen, und etwa 25 Vogelarten haben hier ihre Brutplätze.

Salzwiesen bilden zusätzlich eine wichtige Küstenschutzzone, da die auflaufenden Wellen in diesem ansteigenden Bereich schon viel an Energie verlieren, bevor sie auf den Deich treffen.

Koch 1996a, Künnemann/Gad 1997, Nationalpark 1995, Salzwiesen o. J.