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Nordfrieslandlexikon
Reußenköge

Reußenköge Die amtsfreie Gemeinde ist mit einer Fläche von rund 4.590 Hektar die kleinste unabhängige kommunale Körperschaft in Deutschland. Sie besteht aus der Hamburger Hallig und den sechs Kögen Cecilienkoog, Desmerciereskoog, Louisen-Reußen-Koog, Reußenkoog, Sönke-Nissen-Koog und Sophie-Magdalenen-Koog. Die Köge entstanden in der Marsch der Bredstedter Bucht und bilden das späte Ergebnis des historischen Bredstedter Werkes. Bauherren waren die Grafen Jean Henri Desmercières (1687–1778) und Heinrich von Reuß (1752–1814), die per Oktroi auch verwaltungsmäßige Freiheiten einschließlich der ersten Gerichtsinstanz genossen. Nach einer Verwaltungsreform gelangten die Reußenköge 1853 zum Amt Bredstedt. 1871 wurden die vier oktroyierten Köge – Desmerciereskoog, Louisen-Reußen-Koog, Reußenkoog und Sophie-Magdalenen-Koog – in den Status einer eigenständigen Landgemeinde unter dem Namen Reußenköge erhoben. 1889 gelangten sie zum Amt Bordelum. 1905 kamen der Cecilienkoog und 1925 der Sönke-Nissen-Koog hinzu, 1929 wurden die Reußenköge amtsfreie Gemeinde. 1996 wurde auch der nördliche Teil des Beltringharder Kooges eingegliedert. 1972 bildete die Gemeinde eine Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Bredstedt, nach einer Ämterstrukturreform ab 2008 mit dem Amt Mittleres Nordfriesland. Dafür kauften die Reußenköge das Gebäude der ehemaligen Landwirtschaftsschule in Bredstedt und bauten es zum Verwaltungsgebäude um.
Derzeit leben 335 Einwohner (2015) in der Gemeinde. Bis ins späte 20. Jahrhundert hinein prägte die Landwirtschaft das Wirtschaftsleben. Hochwertige Böden sorgten für sehr gute Erträge. Nach einem Strukturwandel nutzen noch knapp 30 landwirtschaftliche Betriebe rund 3.200 Hektar Agrarland. Haupteinkommensquelle ist heute aber die Erzeugung erneuerbarer Energien. Die Einwohner sind zum großen Teil Anteilseigner an den sechs Windparkbetreibergesellschaften, die zusammen fast 90 Windkraftanlagen besitzen. 1983 nahm im Cecilienkoog die erste serienmäßige Turbine in Deutschland ihren Betrieb auf, 2010 wurde in den Reußenkögen im Mittel 140 Mal mehr elektrische Energie produziert, als man selbst verbrauchte. Auch Photovoltaikanlagen zur Gewinnung von Sonnenenergie werden vor allem im Cecilienkoog unterhalten.

Ein weiteres wirtschaftliches Standbein bildet der Fremdenverkehr. 2012 konnten alle Haushalte mit einem Breitband-Telekommunikationsnetz versorgt werden. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in der Gemeinde zwei Volksschulen. Seither besuchen die Schülerinnen und Schüler die Einrichtungen in Bredstedt, Husum oder Niebüll. Der Präsentation von Kultur und Natur im mittleren Nordfriesland dient seit 2004 das Amsinck-Haus am Deichübergang zur Hamburger Hallig.

200 Jahre Reußenkoog 1989, Schleswig-Holstein Topographie 2006.