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Nordfrieslandlexikon
Petersen de Hahn, Lorens

Petersen de Hahn, Lorens (auch Haen oder Haan) * September (?) 1668 Rantum, † 4.3.1747 Westerland, Kommandeur, Strandinspektor. Der Legende nach soll Petersen de haan, wie er als Strandinspektor signierte, ein Enkel von Greth Skrabbel sein, die einst als Säugling die Strandung eines niederländischen Schiffes vor Sylt überlebt habe. Mit 169 erlegten Walen war er der erfolgreichste Sylter Kommandeur beim Walfang. Als einer von fünf Söhnen des Rantumer Seefahrers Peter Jensen Hahn geboren, zog er bereits mit elf Jahren auf seinen ersten Heringsfang. Zusammen mit seinem Vater floh er kurzzeitig nach Helgoland, um dem Dienst in der dänischen Flotte zu entgehen. Mit 25 Jahren war er zum Kommandeur des Hamburger Walfängers „Svarte Arend“ aufgestiegen. Auf neun Fahrten mit diesem Schiff erbeutete er 59 Wale, darunter 18,5 Wale allein im Jahre 1701. Dabei musste ein Wal geteilt werden, weil de Hahn die Unterstützung eines anderen Schiffs in Anspruch genommen hatte. 1703 übernahm er das dänische Walfangschiff „De Stadts Welvaert“ und fing in 29 Jahren weitere 110 Wale. Da jedes Tier mehrere Tausend Taler wert war, stieg Petersen de Hahn zum wohl reichsten Bürger der Insel Sylt auf. Als frommer Mann lebte er aber sparsam und half vielen Armen sowie der Kirche.

1697 heiratete er Inge Andreas Erichen (1670–1759) aus Tinnum, die ihm fünf Kinder gebar. Gondel (1700–1771), die älteste Tochter, vermählte sich in zweiter Ehe mit dem Keitumer Kommandeur Jürgen Schwennen. Ihr Enkel ist der berühmte Sylter Freiheitsheld Uwe Jens Lornsen (1793–1838). 1735 setzte sich de Hahn mit 67 Jahren zur Ruhe, übte aber weiter das Amt des Sylter Strand- und Düneninspektors aus. Als Oberaufseher über die Strandvögte verhalf er seit 1713 dem Strandrecht wohl erstmals wirklich zur Geltung. Er hinterließ ein Vermögen von etwa 100 000 Reichstalern (nach heutiger Währung etwa acht Millionen Mark) und ein stattliches utlandfriesisches Haus. Es wurde 1699 erbaut, 1750 renoviert und 1967 durch Brandstiftung vernichtet. Ein originalgetreues Abbild befindet sich im Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel. Margarete Boie (1880–1946) sorgte 1925 mit ihrem Roman „Der Sylter Hahn“ dafür, dass der Kommandeur auch über Nordfriesland hinaus bekannt wurde. Die Stadt Westerland benannte eine Straße nach ihm.

Boie 1925, Büsch 2015, Hansen 1858a, Rinken 1992, Schmidt-Eppendorf 1977, Schmidt-Rodenäs 1981, Simon 1980.