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Nordfrieslandlexikon
Möwen

Möwen (fer.: kuben: frasch: mööwe; sölr.: Möen; wied.: hjifföögle) sind große weiße, gedrungen gebaute Vögel mit silber- bis schiefergrauen Flügeln und kräftigem Schnabel. Die Jungtiere sind graubraun gesprenkelt. Möwen sind gute Flieger und Läufer, können aber nicht tauchen. Deshalb lesen sie ihre Nahrung direkt von der Wasseroberfläche auf, suchen sie am Erdboden oder jagen sie anderen Vögeln ab. Als wenig wählerische Allesfresser und Kulturfolger lauern sie in Häfen, auf Müllplätzen oder als Schiffsbegleitung auf ihre Beute. Manche Möwen haben sich auf die Räuberei spezialisiert und nehmen die Gelege kleinerer Vogelarten aus oder fressen die Jungen. Einzelne Tiere haben sogar gelernt, Muscheln und Strandkrabben zum Knacken aus der Luft auf harten Untergrund fallen zu lassen und dann zu verzehren.

Zu den Großmöwen gehören die Silbermöwe mit einer Flügelspannweite von 140 Zentimeter, die Mantelmöwe und die Heringsmöwe. Kleinmöwen sind die Sturmmöwe, die sehr lernfähige Lachmöwe und die vom Aussterben bedrohte Dreizehenmöwe. Alle genannten Arten brüten in Kolonien und legen Anfang Mai ihre Nester in den Dünen und Salzwiesen der Inseln und Halligen an. Nach etwa sieben Wochen sind die Jungtiere flügge. Mit rund 20.000 Paaren ist die Lachmöwe gegenwärtig die häufigste Art in Nordfriesland. In früheren Jahrhunderten wurden die Möweneier auch wirtschaftlich genutzt. Heute sind nach EG-Vogelschutzrichtlinien die Nester und Eier aller europäischen Vogelarten geschützt.

Borcherding 2013, Fiedler 1992, Quedens 1976 u. 2012.