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Nordfrieslandlexikon
Halligen

Halligen (fer.: halgen; halligfries.: dä Halie; sölr.: Haligen; wied.: halie) sind inselartige Marschflächen im nordfriesischen Wattenmeer. Der Name ist vermutlich von „hol“ oder „hal“ abgeleitet und bedeutet „niedriges Land“, eine Zusammensetzung, die z. B. auch in „Holland“ zu finden ist. Die Eilande ragen gerade so weit aus dem Wasser heraus, dass sie von der normalen Flut nicht überspült werden. Acht der zehn Halligen entstanden nach der großen Sturmflut 1362, in deren Folge es zwischen Amrum, Föhr und Alt-Nordstrand zu massiven Geländeumbildungen kam. Es sind dies Gröde, Habel, Hooge, Langeneß, Norderoog, Oland, Süderoog und Südfall. Die Hamburger Hallig und Nordstrandischmoor sind Überreste der 1634 zerstörten Insel Alt-Nordstrand. Ehemalige Halligen wie Ockholm, Fahretoft oder Dagebüll wurden seit dem 16. Jahrhundert durch Landgewinnungsmaßnahmen zu Kögen und damit Teil des Festlandes, andere wie etwa Jordsand wurden auf natürliche Weise abgetragen. Zu einer Katastrophe kam es 1825, als die „Halligenflut“ das Leben vieler Menschen beendete. 74 Personen ertranken, rund 230 mussten ihre völlig zerstörten Häuser verlassen. Der dänische König Friedrich VI. (1768–1839) kam zur Besichtigung, übernachtete auf Hooge und verhalf dem Königspesel zu seinem Namen.

Halligen unterscheiden sich von Inseln dadurch, dass sie nicht von Landesschutzdeichen, sondern nur von erheblich niedrigeren Sommerdeichen umgeben sind. Bei höheren Wasserständen, zehn- bis zwanzigmal im Jahr, kommt es zu Überschwemmungen, dem sogenannten „Landunter“. Das Weidevieh flüchtet sich dann auf die Warften der Menschen, die etwa zu Seedeichhöhe aufgeschüttet sind und ein trockenes Ausharren auch bei der höchsten angenommenen Sturmflut gewährleisten. Die stark bedrohten Halligufer wurden ab den 1890er-Jahren durchgängig mit Steinen befestigt. So erfüllen die kleinen Eilande als Wellenbrecher eine wichtige Küstenschutzfunktion für das Festland. Die Hamburger Hallig sowie Nordstrandischmoor, Oland und Langeneß wurden durch Dämme zum Festland zusätzlich stabilisiert. Die Aufnahme des Halligschutzes in das Programm Nord führte ab 1960 zu einer weiteren Erhöhung und Befestigung der Warften. 2016 wurde von der Landesregierung ein neues Programm zur Verstärkung und Entwicklung von 32 bewohnten Warften beschlossen.

In früheren Zeiten war das Leben der Halligbewohner äußerst beschwerlich. Die Landwirtschaft musste sich auf Viehgräsung beschränken. Die Nutzung in Form der Allmende dauerte bis in die 1950er-Jahre hinein. Im 17./18. Jahrhundert suchten viele Männer ihre Chance in der Seefahrt und insbesondere im Walfang. Die Trinkwasserversorgung für Mensch und Tier erfolgte durch ein ausgeklügeltes System mit Fething, Schetels, Sod und Zisterne, als Feuerungsmaterial diente zu Ditten geformter Kuhdung.

1769 registrierte man über 2.000 Halligbewohner, 1835 nur noch 695. In den 1950er-Jahren sank die Zahl auf rund 350. Derzeit (2015) stehen auf den über 30 Warften der fünf bewohnten Halligen Gröde, Hooge, Langeneß, Nordstrandischmoor und Oland etwa 150 Häuser, in denen um die 250 Menschen leben. Viele sind beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) angestellt und arbeiten für den Erhalt der Halligen.

Regelmäßige Schiffsverbindungen sorgen vor allem in den Sommermonaten für eine hohe Zahl von Tagesgästen, die Zahl der Übernachtungen liegt bei rund 60.000 im Jahr. Der Fremdenverkehr allein garantiert aber nicht einen allgemein üblichen Lebensstandard. Dazu werden auch Subventionen benötigt, die z. B. die kleinsten Schulen Europas auf den Halligen unterhalten. Mehr als 20 Prozent der Häuser auf den größeren Halligen befinden sich im Besitz Auswärtiger, die ihre Zweitwohnungen vielfach nur in den Ferien bewohnen. Die 1990 gegründete Stiftung „Nordfriesische Halligen“ soll einem weiteren Ausverkauf entgegenwirken.

Seit 1985 sind Habel, Norderoog, Südfall und Süderoog Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die bewohnten Halligen gehören seit 2005 zum Biosphärenreservat „Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und die Halligen“.

Laur 1992, Petersen 1981, Pingel 2000b, Riecken 1982, Steensen 2016c.


Die zehn Halligen im Wattenmeer der Größe nach (Einwohnerzahlen 2015):

Langeneß (fries.: di Nees), Fläche: 11,57 Quadratkilometer, 110 Einwohner
Hooge (di Huuge), 5,78 Quadratkilometer, 95 Einwohner
Gröde (di Grööe), 2,52 Quadratkilometer, 9 Einwohner
Oland (Ualöön), 2,01 Quadratkilometer, 20 Einwohner
Nordstrandischmoor (Lätj Möör), 1,9 Quadratkilometer, 18 Einwohner
Hamburger Hallig (Hamborjer Håli), 1,1 Quadratkilometer, nur zeitweise bewirtschaftet
Süderoog (Saruug), 0,62 Quadratkilometer, 2 Einwohner
Südfall, 0,56 Quadratkilometer, 2 Einwohner von April bis Oktober
Norderoog, 0,09 Quadratkilometer, unbewohnt
Habel (Haabel), 0,074 Quadratkilometer, unbewohnt