geöffnet
Nordfrieslandlexikon
Gezeiten

Gezeiten nennt man die periodischen Wasserstandsschwankungen der Ozeane und ihrer Randmeere. Sie werden durch das Zusammenwirken der Anziehungskräfte zwischen Erde, Mond und Sonne und der mit den Bewegungen dieser Himmelskörper verbundenen Fliehkräfte erzeugt. Das Steigen des Wasserstandes bei einer mittleren Tide nennt man Flut, das Fallen Ebbe, die Höhendifferenz zwischen Niedrig- und Hochwasser ist der Tidenhub. Er beträgt an der Küste Nordfrieslands im langjährigen Mittel zwischen zwei und dreieinhalb Meter, ist aber am Eidersperrwerk im Süden mit rund drei Meter durchschnittlich doppelt so groß wie im Norden mit etwa anderthalb Metern bei List auf Sylt. Je nach Stellung von Sonne, Mond und Erde zueinander kommt es etwa alle 15 Tage entweder zu einer besonders starken Springflut oder zu einer besonders schwachen Nippflut. Das Hochwasser erreicht dabei einen um rund 30 Zentimeter höheren bzw. tieferen Stand als bei einer mittleren Tide. Die Zeit von einem Tidehochwasser zum nächsten, die Tidedauer, beträgt im Mittel 12 Stunden und 25 Minuten. Das bedeutet, dass sich das Hochwasser zweimal täglich um etwa eine halbe Stunde „verspätet“. Berücksichtigt man noch den Einfluss des Windes auf die Gezeiten, dann ist leicht zu verstehen, warum der Aufenthalt im Watt nach einem selbst errechneten Gezeitenkalender leicht zur tödlichen Falle werden kann.

Petersen/Rohde 1991, Wieland 1990.