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Nordfrieslandlexikon
Friesischer Unterricht

Friesischer Unterricht (fer.: onerracht; frasch: unerrucht; sölr.: Önerrocht; wied.: onerrocht) Offizielle Schulsprache war in Nordfriesland seit der Reformation das Niederdeutsche, seit dem 17. Jahrhundert das Hochdeutsche. Sicherlich bedienten sich viele Lehrkräfte auch des Friesischen, was jedoch schon in der Zeit des dänischen Gesamtstaats mehrfach durch die Regierung beanstandet wurde. Im Jahr 1900 wurde erstmals regulärer friesischer Schulunterricht gefordert, und zwar auf Sylt, wo die Sprache durch den Fremdenverkehr besonders stark gefährdet war. Von 1909 an wurden an den Sylter Schulen erstmals reguläre friesische Stunden erteilt. Es ergaben sich jedoch schnell politische Verwicklungen. Der preußische Kultusminister verbot den Friesischunterricht an der Volksschule in Westerland. Denn als Leitbild galt die nationale und sprachliche Einheitlichkeit.

Im Jahre 1928 führte die Regierung in Schleswig eine regelmäßige friesische Wochenstunde an den Schulen im nordfriesischen Sprachgebiet ein. Verdienste um die Förderung des friesischen Unterrichts erwarb sich insbesondere der Lehrer Albrecht Johannsen (1888–1967). In der Zeit des Nationalsozialismus ging der friesische Unterricht zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wieder aufgenommen. Auf Föhr erwarb sich insbesondere Reinhard Arfsten (1897–1971) Verdienste, am Gymnasium in Wyk Jakob Tholund (* 1928) und vor allem Volkert F. Faltings (* 1951). Bemühungen um einen muttersprachlichen Friesischunterricht scheiterten in den 1950er-Jahren auch an Bedenken vieler Eltern. Ein gezielter Ausbau durch Kultusministerium und Schulamt setzte 1976/77 ein, beginnend wiederum auf Sylt. Im Schuljahr 2006/07 nahmen etwa 1.100 Schüler teil. Der Unterricht beschränkt sich jedoch fast ganz auf die Grundschulklassen und wird an den weiterführenden Schulen kaum angeboten. Eine wichtige Ausnahme bildet die Eilun Feer Skuul in Wyk auf Föhr, an der seit 2008 Friesisch als reguläres Unterrichtsfach in der Oberstufe gewählt werden kann. Angehende Lehrkräfte können das Fach Friesisch an der Universität Flensburg (für Grund- und Hauptschulen, Realschulen) und an der Universität Kiel (für Realschulen, Gymnasien) studieren. Seit den 1990er-Jahren wird die friesische Sprache auch in Kindergärten berücksichtigt.

An der 1946 gegründeten Dänisch-Friesischen Schule Risum wurde ab 1956 unter der Leitung von Marie Tångeberg (* 1924) dem Friesischunterricht ein fester Rahmen gegeben. Einzigartig war, dass sie die friesische Sprache in weitestmöglichem Umfang in allen Unterrichtsfächern ab dem ersten Schuljahr benutzte. Im Jahre 1985 wurde Friesisch auf Wunsch der Eltern als obligatorisches Unterrichtsfach eingeführt. Im Schuljahr 2016/17 nahmen nach Aussage des Bildungsministeriums 834 Schülerinnen und Schüler am Unterricht teil.

Für Erwachsene besteht die Möglichkeit, die ursprüngliche Sprache der Region in Kursen zu erlernen. Sie werden von den friesischen Vereinen, Ortskulturringen und Volkshochschulen angeboten.

Clemenz 1970, Steensen 1983b, 1986, 1996b u. 2002b.


Sylterfriesische Unterrichtswerke:

Brunhilde Hagge: Sölring Liirbok I, Bräist/Bredstedt 1977, II, 1978.
Ommo Wilts: Üüs Sölring Liirbok/Friesisches Lehrbuch, Husum 1981, 2. Aufl. 1986.
Inken Völpel-Krohn (Hrsg.): Sölring fuar Bigensters. Programmierter Lehrgang des Sylter Friesisch, Kiel 1991.
Ommo Wilts: Friesische Formenlehre in Tabellen. IV: Sylt, Husum 1995.
Landesinstitut Schleswig-Holstein für Praxis und Theorie der Schule: Handreichungen für den Friesischunterricht. Sölring, Kronshagen 2001.
Fryske Taal Rotonde. Sölring, Bräist/Bredstedt 2002.

Unterrichtswerke für das Föhring:

Bo Sjölin: Fering för beganern 1+2. Programmierter Lehrgang des Föhrer Friesisch, Nordfriesische Wörterbuchstelle Kiel 1988.
Ommo Wilts: Friesische Formenlehre in Tabellen. II. Föhr, Husum 1995.
Handreichungen für den Friesischunterricht. Fering. Hrsg. vom Landesinstitut Schleswig-Holstein für Praxis und Theorie der Schule, Kronshagen 2001.
Fryske Taal Rotonde. Fering, Bräist/Bredstedt 2002.
Antje Arfsten und Christina Tadsen: Friesischer Sprachkurs Fering. Mit Audio-CD. 2. Auflage, Bräist/Bredstedt 2009.
Antje Arfsten und Ingo Laabs: Friesischer Sprachkurs Fering II. Mit Audio-CD, Bräist/Bredstedt 2009.