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Nordfrieslandlexikon
Föhrer Marschkoog

Föhrer Marschkoog (fries.: Fering Maask) Die nördliche Hälfte der Insel Föhr besteht fast gänzlich aus Marsch. Archäologen fanden hier rund 50 von Menschenhand angelegte Kuppen, von denen einige als Warften angesehen werden können. Ebenso lässt einiges Fundgut auf einer der Warften auf eine spätmittelalterliche Besiedlung schließen. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde das rund 4.500 Hektar umfassende Gebiet mit einem Sommerdeich umgeben. Dennoch verließen die Menschen das knapp über dem Meeresspiegel liegende Gebiet und zogen auf die nahe Geest. Noch hielten die Deiche schweren Sturmfluten wie etwa 1634, 1717/18 und 1720 nicht stand. Es kam immer wieder zu Überflutungen, Hausrat und Haustiere gingen verloren. Erst lange nach den schweren Sturmfluten der Jahre 1791–94, in denen „man die Dörfer gleichsam am Ufer des Weltmeeres liegen sah“, wie der Chronist Ocke Nerong (1852–1909) berichtete, wuchs die Erkenntnis, die etwa 23 Kilometer lange Deichstrecke der Gefahrensituation anzupassen. Im 20. Jahrhundert sorgten die Bestimmungen des modernen Küstenschutzes für Standardmaße. Zur Entwässerung der Marsch entstand ein System aus Vorflutern und Gräben von rund 200 Kilometern Länge. In den 1950er-Jahren wurden bei einer Flurbereinigung über 50 Aussiedlerhöfe aus den engen Dorflagen verlegt, etwa die Hälfte davon in den Marschkoog.

Kunz/Panten 1999, Kunz/Steensen 2013, Müller/Fischer 1937, Wieland 1963.