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Nordfrieslandlexikon
Fischerei

Fischerei (fer.: faskerei; frasch: faschfångst; sölr.: feskerii) Im 15./16. Jahrhundert tauchten große Heringsschwärme vor Helgoland auf, und viele Fischer aus Nordfriesland beteiligten sich am Heringsfang. Im 17./18. Jahrhundert bot der Walfang gute Chancen, auf See zu Wohlstand zu gelangen. Die Fischerei im Wattenmeer spielte zu keiner Zeit eine bedeutende Rolle als Wirtschaftsfaktor. Das Wattenmeer bietet wegen seiner verhältnismäßig geringen Tiefe größeren Lebewesen keinen Raum. So sind es eher die kleinen, dafür aber in großer Menge vorkommenden Garnelen und Miesmuscheln, die die Haupterwerbsquelle der Fischer bilden. Mit der Einführung des Schleppnetzes 1865 und des Motorkutters 1906 stieg der Fang von Speisegarnelen deutlich an. Um die 50 Krabbenkutter haben heute in Nordfriesland ihre Heimathäfen in Hörnum und List auf Sylt, Wittdün auf Amrum, Wyk auf Föhr, Hooge, Pellworm, Nordstrand, Dagebüll, Husum und Tönning. Sie fangen jährlich um die 2 000 Tonnen Speisekrabben. In Zeiten geringer Erträge können die modernen Kutter auch auf Seezungen- oder Schollenfang umgerüstet werden. Als Erzeugergemeinschaften stehen die Fischereigenossenschaften Husum und Tönning den Fischern zur Seite. Bis zu drei Seemeilen vor der Küste dürfen nur Deutsche fischen, im Bereich zwischen drei und zwölf Seemeilen auch Dänen und Niederländer.

Bereits im 18. Jahrhundert wurde durch das Anlegen von Kulturen der Fang von Miesmuscheln entscheidend verbessert. Die Muschelfischer schaben dabei mit der Dredge das „schwarze Gold“ von verschieden tief liegenden Muschelbänken, wobei die tiefen Bänke die besten Früchte bieten. Nach dem Abfischen werden die Bänke mit Saatmuscheln belegt, die nach zwei Jahren Wachstum ihre Fangreife erlangen. Zum Fang laufen in Nordfriesland acht Muschelkutter aus, die mit bis zu 1.000 PS starken Motoren vor allem das Lister und Hörnumer Tief sowie die Norderaue befischen. Ihren Fang übergeben sie in Hörnum an Kühllaster aus den Niederlanden. Auch die Muschelfabrik in Emmelsbüll-Horsbüll wird beliefert.

Im einzigen Austernkulturbetrieb Deutschlands werden in der Blidselbucht südlich von List auf Sylt jährlich etwa eine Million Austern geerntet. Auf speziellen Eisentischen wachsen sie in 40 Zentimetern Höhe über dem Wattboden in drei Jahren zu 70 bis 90 Gramm schweren Delikatessen heran.

Als Fortsetzung des traditionellen Fischfangs kann die in bescheidenem Ausmaß betriebene Nebenerwerbsfischerei gesehen werden. Ihr Ziel war und ist die Selbstversorgung und die Belieferung bestimmter Kunden in der Region. Einige wirtschaftliche Bedeutung hat dabei der Aalfang, der u. a. in den Gebieten vor der Arlauschleuse und Schlüttsiel sowie in Eiderstedter Gewässern betrieben wird. Rund 3.000 Angler sind in 19 Vereinen organisiert. Sie fangen vor allem in der Eider und der Treene Hechte, Zander, Meerforellen, Barsche und Brassen.

Hill 1972, Jensen 1917, Landesamt für den Nationalpark 1996, Seehase 1935, Seidel 1999.