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Nordfrieslandlexikon
Feddersen, Hans Peter d. J.

Feddersen, Hans Peter d. J. * 29.5.1848 Wester Schnatebüll, † 13.12.1941 Kleiseerkoog, Maler. Im Unterschied zu seinem Vater Hans Peter Feddersen d. Ä. (1788–1860), der als Laienkünstler sehr geschätzt wurde, war Hans Peter d. J. kein Autodidakt. Seine Ausbildung zum Kunstmaler erhielt er 1866–70 an der Düsseldorfer Akademie. 1885 kehrte „HPF“ in den heimatlichen Kleiseerkoog bei Niebüll zurück. 1894 war er Mitbegründer der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft. 1910 wurde er Professor und 1926 Mitglied der Berliner Akademie der Künste.

HPF gehörte zu den Vertretern der realistischen Malerei. Durch seine Bilder und Studien aus Nordfriesland öffnete er den Blick für die künstlerischen Werte einer noch wenig beachteten Landschaft. Er war einer der ersten Maler auf Sylt und darf als der künstlerische Entdecker der Insel gelten. 1869 hielt er in List die in die Dünenkette eingebetteten Reetdachhäuser fest. Feddersen kehrte häufig wieder, auch ermutigt durch seinen Malerfreund Hinrich Wrage (1843–1912). Er suchte die große Linie in der Landschaft und fand sie in seinen bekannten Bildern „Lister Dünen“ (1872), „Landschaft von Sylt“ (1920) oder „Priel auf Sylt“ (1926). Daneben entstanden eine Reihe von Naturstudien, vor allem Stimmungen aus den Dünentälern, sowie die ausdrucksvolle Strandimpression „Blanker Hans“ von 1902. Zu seinen repräsentativen Arbeiten bis 1900 gehört auch das Gemälde „Nordfriesische Dorfstraße“ (1894), das mit den Maßen 142 x 219 cm eines seiner größten Bildformate darstellt.

Mit dem Gemälde „Winter in Nordfriesland“ (1904) verließ Feddersen den Weg der naturalistischen Malerei. In seinem Spätwerk wird das Land immer unwichtiger, Himmel und Wolken wie auf dem Bild „Der Hallig Ende“ (1913) galt nun die ganze Aufmerksamkeit des Künstlers. Neben expressiven Ölgemälden wie „Ballade“ (1923) oder „Hohe, bewegte Luft“ (1925) komponierte er auch weiterhin Werke von großem Format wie z. B. „Rungholt“ (1934). Auch Porträts und Genremalerei wie etwa „Friesin in der Küche“ (1876) oder „Jägerlatein“ (1897) gehörten zu seinem Schaffen. Feddersens Werke sind u. a. im Nordfriesland Museum – Nissenhaus Husum und auf dem Museumsberg in Flensburg zu finden.

Als Mitbegründer der Schleswig-Holsteinischen Kunstgenossenschaft beteiligte sich Feddersen aktiv am Ausstellungswesen des Landes. Seit 1872 beschickte er die Dresdner und Berliner Akademieausstellungen sowie die großen Jahresausstellungen in Berlin, Dresden, München und Düsseldorf. Höhepunkte sind seine Beteiligungen an der Wiener Weltausstellung 1873 und an der Deutschen Jahrhundertausstellung in Berlin 1906.

Bieske 1998, Schulte-Wülwer 2012, SHBL 1, SHL 1983.