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Nordfrieslandlexikon
Einwanderung

Einwanderung Nordfriesland war im Laufe der Geschichte immer wieder Einwanderungsland. Vom frühen Mittelalter an besiedelten Menschen aus dem heutigen Dänemark die Geest bis in das heutige Nordfriesland hinein. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blieb das Süderjütische dort eine weit verbreitete Volkssprache.

Der dänische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus bezeichnete die Utlande 1180 als „Frisia Minor“ („Klein-Friesland“). Hierher waren vom 7. Jahrhundert an die Friesen gekommen. Sie besiedelten zunächst vor allem die Geestinseln, in einer zweiten Welle seit dem 11. Jahrhundert die Marsch des Festlandes, die sie durch Entwässerung und Küstenschutz nutzbar machten. Nach den schweren Sturmfluten des 14. Jahrhunderts zogen sie auch auf den Geestrand.

Seit dem 13. Jahrhundert gelangten in wachsender Zahl Deutsche nach Nordfriesland, die Niederdeutsch sprachen. Diese Einwanderung war nicht zuletzt eine Folge des zunehmenden Einflusses, den die Holsteiner Grafen auf die Landesherrschaft nördlich der Eider gewannen.
Im 16. und besonders im 17. Jahrhundert kamen Einwanderer aus den Niederlanden, etwa als Deichbauexperten und -unternehmer und als Gründer Friedrichstadts. In Eiderstedt sorgten sie für einen Wandel in der Landwirtschaft von der Ochsenmast zur Milchwirtschaft.

Die Unterbringung von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg ließ die Einwohnerzahl des heutigen Kreises Nordfriesland von zusammen 109 000 (1939) auf 204.000 (1948) emporschnellen. Viele Menschen aus den ehemaligen Ostgebieten fanden in Nordfriesland eine neue Heimat. Der wirtschaftliche Aufschwung und Anwerbeabkommen lockten ab den 1950er-Jahren Arbeitskräfte aus Südeuropa ins Land, nicht wenige wurden sesshaft.

Die Mobilität in der Moderne schließlich führte dazu, dass am Ende des 20. Jahrhunderts sehr viele Einwohner des Kreises Nordfriesland „zugereiste“ Nordfriesen waren. Die Bundeswehr brachte „Einwanderer“, die nach der Pensionierung blieben, Naturfreunden und Künstlern wurde Nordfriesland zur zweiten Heimat, und der Fremdenverkehr führt immer wieder Gäste heran, die in ihrem jeweiligen Erholungsort Häuser erwerben.

Die Zahl der ausländischen Bevölkerung in Nordfriesland lag Ende 2015 bei über 9.300. Rund 70 Prozent der Ausländer stammten aus Europa, etwa 55 Prozent aus EU-Staaten, wobei Polen die mit Abstand größte Gruppe bildeten, gefolgt von Dänen und Rumänen. Aus den Krisengebieten Afrikas und Asien kamen rund 2.300 Personen.

Nordfriisk Instituut.