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Nordfrieslandlexikon
Deiche

Deiche (fer.: diker; frasch: dike; sölr.: Diker; wied.: dike) Mit Deichen schützt man den Lebensraum in der Marsch gegen den Einfluss der Nordsee. Es handelt sich um künstliche wallartige Erdaufschüttungen mit befestigten Böschungen. Im Unterschied zu einem Damm hat ein Deich zwei unterschiedlich profilierte Seiten. Die dem Meer zugewandte Außenböschung ist dabei deutlich flacher geneigt als die Innenböschung. Je nach Art der Bedeckung werden Deiche als Asphaltdeich, Grasdeich oder Pflasterdeich klassifiziert, je nach Art des Materials als Kleideich, Sandkerndeich und Inseldeich. Ein Landesschutzdeich dient der Abwehr von Sturmfluten, Binnendeiche liegen als Reserve in zweiter und dritter Linie dahinter.

Der steigende Meeresspiegel und größere Sturmfluten zwangen ab dem 11. Jahrhundert auch in Nordfriesland verstärkt zum Deichbau. Da für solche Großprojekte die Kräfte des einzelnen überfordert waren, wurden die Deiche zunächst in genossenschaftlicher Organisation gebaut und nach dem Spadelandesrecht verwaltet. Ab dem 16. Jahrhundert trieben unter dem Aspekt der Landgewinnung die Landesherren den Deichbau voran. Das finanzielle Risiko wurde oft mit Hilfe eines Oktrois an kapitalkräftige Investoren weitergegeben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts konnte mit der Einrichtung der drei Schleswigschen Deichbände der staatliche Einfluss auf das Deichwesen noch weiter ausgedehnt werden. Unter preußischer Verwaltung gingen Küstenschutz und Landgewinnung ganz in die Zuständigkeit des Staates über. Die Verwaltung und Pflege der Deiche oblag weiter den Deich- und Sielverbänden. In den 1950er-Jahren endete die Epoche der Landgewinnung im Wattenmeer. Die wenigen noch folgenden Bedeichungen verstanden sich als Küstenschutz- oder Wasserlösungsmaßnahmen und waren stark vom Naturschutz beeinflusst. Insgesamt sind in Nordfriesland über 850 Deichkilometer aus acht Jahrhunderten vorzufinden, eine Strecke, die ziemlich genau der Nord-Süd-Ausdehnung der Bundesrepublik entspricht.

Kühn/Panten 1989, Kühn 1992, Meier 1996, Newig/Petersen 1995a.