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Nordfrieslandlexikon
Bredstedt

Bredstedt (fries.: Bräist) Die Stadt Bredstedt im Amt Mittleres Nordfriesland liegt in der geografischen Mitte Nordfrieslands, im Zentrum der alten Nordergoesharde. Husum im Süden ist rund 16 Kilometer entfernt, Niebüll im Norden rund 21 Kilometer, etwa sechs Kilometer im Westen liegt der Landesschutzdeich. 5 224 Einwohner leben derzeit (2015) auf dem Geestrand auf einer Fläche von 975 Hektar. Brethæstath, die „breite Stätte“, wurde 1231 erstmals erwähnt im Erdbuch König Waldemars II. (1170–1241). Sie bezieht sich auf eine Furt durch den Hollebek, die später durch eine Brücke ersetzt wurde. Diese Brücke ziert jetzt in stilisierter Form das Stadtwappen. 50 Hektar Wald gehören zur Stadt.

Bereits zur Zeit der Neandertaler siedelten Menschen in der Nordergoesharde. Funde aus der Jungsteinzeit, der Eisenzeit und der Wikingerzeit deuten auf eine stete Siedlungstradition hin. Im frühen Mittelalter wohnten hier Menschen dänisch-jütischer Herkunft, im 10./11. Jahrhundert wanderten Friesen ein. In der frühen Neuzeit vor allem ließen sich Handwerker und Kaufleute aus deutschsprachigen Gebieten nieder, und Niederdeutsch wurde die gängige Umgangssprache.

Die 1457 erstmals erwähnte Wassermühle am Mühlenteich wurde 1927 stillgelegt. 1462 erhielt Bredstedt eine Kapelle der Hauptkirche in Breklum, der 1510 die Vollkirche Sankt Nikolai folgte. Der ursprünglich rund um die Kirche gelegene Friedhof wurde 1871 aufgelassen und einige Hundert Meter südlich der neue, noch heute benutzte Friedhof angelegt.

Bredstedt entwickelte sich zum Hauptort der Nordergoesharde. 1477 wurde das Örtchen zum Flecken erhoben, um 1510 wurde Bredstedt Kirchort, und ab 1530 durfte ein Markt abgehalten werden. 1611 entstand auf der Nordseite des Marktes die Hardesvogtei, heute Apotheke. Auch Viehmärkte und Pferdemärkte behielten bis ins 20. Jahrhundert hinein ihre Bedeutung. An die Tradition als Marktort erinnern die als Volksfest gestalteten „Bredstedter Markttage“. 1785–1867 war Bredstedt Amtssitz. Das Amtsgericht verblieb noch bis 1975 in der Stadt. Seit 1763 ist das als Gefängnis dienende Stockhaus in der Norderstraße urkundlich verbucht. 1844–46 trafen sich auf dem Marktplatz Tausende zu den „Volksfesten der Nordfriesen“. 1848 hielt Harro Harring (1798–1870) auf dem Marktplatz seine „erste Rede an die Nordfriesen“. 2016 wurde zu seinem Andenken eine Harro-Harring-Stele enthüllt.

1858 zerstörte eine Feuersbrunst rund 100 Häuser in der Osterstraße. Gegenüber der Kirche an der Süderstraße wurde 1871 eine Volksschule errichtet. Das Gebäude beherbergt seit 1990 das Nordfriisk Instituut. 1887 erreichte die Marschbahn Bredstedt. Der Bahnhof bildet zusammen mit dem 1928 zur Versorgung der Dampflokomotiven errichteten Wasserturm und einer Reihe von historischen Villen in der zum Markt führenden Bahnhofstraße ein Denkmalensemble kleinstädtischer Eisenbahngeschichte. Die damals wachsende Bedeutung des Ortes zeigte sich u. a. 1893 im Bau der ersten Landwirtschaftsschule Schleswig-Holsteins. In ihrem Gebäude wurde 1982, rund 100 Jahre später, das Bredstedter Naturzentrum eröffnet, in dem Flora, Fauna und Ökologie von Geest, Marsch und Wattenmeer anschaulich dargeboten werden. 1894 wurde im neugotischen Stil das Rathaus errichtet. Als Anbau folgte 1930 das Gebäude der 1840 gegründeten Spar- und Leihkasse zu Bredstedt, die später das ganze Ensemble nutzte. 1898 ging aus einem kleinen Handwerksbetrieb die Tabakfabrik Preisler hervor. Sie exportierte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs u. a. die beliebten Zigarren „Dusendank“ und „Friesen-Riesen“. Die Fabrikgebäude am Marktplatz wurden restauriert und zu Wohnungen und Büros umgebaut. Seit 1900 besitzt der Ort die Stadtrechte.
1902 wurde der Bredstedter Friesenverein gegründet. Er wirkte bis zu seiner Auflösung 2014 für die friesische Kultur und Sprache. 1902 erhielt Bredstedt auch eine Volksbibliothek als Vorgängerin der heutigen Stadtbücherei. Ein Jahr später wurde der „Friesen-Courier als örtliche Zeitung ins Leben gerufen.

Die 1913 als eindrucksvolles Bauwerk im Stil der Heimatschutz-Architektur errichtete ehemalige Realschule dient heute als Bredstedter Bürgerhaus. Es beherbergt seit 1988 die Stadtbücherei, auch werden Veranstaltungen und Theateraufführungen angeboten. 2000 stiftete die Spar- und Leihkasse, die auch den Sparkassenpark unterhielt, dem Ort zum 100. Stadtjubiläum den „Schweinebrunnen“ auf dem Marktplatz. Seit 2001 besitzt Bredstedt das Prädikat Luftkurort.

Überörtliche Bedeutung haben vor allem das Nordfriisk Instituut, das Fachkrankenhaus und das Grüne Zentrum Bredstedt. Seit 2008 ist die Stadt Verwaltungssitz des Amtes Mittleres Nordfriesland, verlor dabei aber ihren hauptamtlichen Bürgermeister. Amtsgebäude wurde die ehemalige Landwirtschaftsschule in der Theodor-Storm-Straße. Um eine erfolgreiche Stadtentwicklung ringen u. a. der Handels- und Gewerbeverein, der Tourismusverein Bredstedt und Umgebung und der Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege.

Bildungseinrichtungen sind die Grundschule sowie die Gemeinschaftsschule, beide betrieben durch den Schulverband Mittleres Nordfriesland. In die Gemeinschaftsschule wurde auch die Hauke-Haien-Förderschule integriert. Für die dänische Minderheit betreibt der Dänische Schulverein für Südschleswig eine Gesamtschule. Zwei der vier Kindergärten in Bredstedt werden vom ADS-Grenzfriedensbund unterhalten, hinzu kommen ein Waldorfkindergarten und eine Einrichtung des Dänischen Schulvereins. Die Katholiken feiern ihre Gottesdienste in der Marienkapelle in der Clementstraße, zur Versammlung der Zeugen Jehovas dient ein Haus in der Gressstraße.

Bedeutendster Verein der Stadt ist der Bredstedter Turn- und Sportverein von 1864. Er verfügt über moderne Sportanlagen und seit 2012 über eine der größten Sporthallen des Landes. Älter ist die Ringreitergilde von 1783, aus dem Jahr 1878 stammt der Schützenverein. Die dänische Sport- und Jugendarbeit fördert der Bredsted IF von 1947. Im beheizten Freibad führt die Bredstedter Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes die Badeaufsicht. Musikalische Betätigung bieten der Spielmannszug des Handwerkervereins und die Bredstedter Liedertafel von 1842, ein Männergesangverein.

Zu den berühmtesten Persönlichkeiten der Stadt zählen die Maler Christian Albrecht Jensen (1792–1870) und Christian Carl Magnussen (1821–1896).

Mehlhorn 2016, Nissen/Steensen 1975, Schmidt-Petersen 1929, Steensen 2000.

Klaus Groth (1819–1899), der Begründer der neu-niederdeutschen Literatur, beschrieb in seiner Dichtung „De Heisterkrog“ die Lage Bredstedts mit folgenden Worten:

„Ol Bredstedt liggt recht midden in’e Welt,
Wo alle Weg’ na to und wedder weg föhrt.“

(Alt Bredstedt liegt recht mitten in der Welt,
Wo alle Wege hin- und auch wieder wegführen.)