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Nordfrieslandlexikon
Braren, Oluf

Braren, Oluf * 25.2.1787 Oldsum, † 22.3.1839 Toftum, Lehrer, Laienmaler. Der Sohn eines Schmieds wurde Lehrer und übernahm bereits mit 19 Jahren die Schule der Norddörfer auf der Insel Sylt. 1807–09 unterrichtete er in Midlum auf Föhr und anschließend bis 1821 in Utersum. Aus einer nebenehelichen Beziehung zu der ehemaligen Schülerin Ing Peter Matzen (1796–1866) aus Hedehusum gingen zwei Kinder hervor. Die Beziehung wurde eine Zeit lang geduldet, dann wurde Braren als Hilfslehrer nach Toftum strafversetzt. Er starb an der Schwindsucht. Zusammen mit seiner angetrauten Frau liegt er auf dem Kirchhof von Sankt Laurentii in Süderende begraben. „Müder Erdenleib wird Erde, sein Bewohner bleibt“, lautet die Inschrift auf dem Grabstein.

Braren war vielseitig interessiert, sammelte z. B. Fossilien und Muscheln und trug eine kleine Bibliothek zusammen. Vor allem widmete er sich der Malerei. Seine Aquarelle malte er nur für sich selbst und seine nächste Umgebung. Für seine künstlerische Entwicklung erlangte ein Besuch bei Nahmen Peter Matthiessen (1799–1870), dem jüngeren Bruder der Geliebten, große Bedeutung. Dieser lernte bei Wilhelm Tischbein (1751–1829), dem Hofmaler des Herzogs von Oldenburg, in Eutin. Braren fertigte in der Folge mehrere Bilder nach Vorlagen Tischbeins.

Insgesamt sind etwa 30 Arbeiten bekannt. Als eigenständiges Werk können nur wenige gelten, insbesondere die Darstellung einer Haustrauung auf Föhr, für die es keine Vorbilder gibt. Um 1830 machte er sich an eine große Darstellung dieses Motivs, die als „späte Haustrauung“ betitelt wird und als sein Hauptwerk gilt. Sie war auf 15 Teile, jeweils 49 mal 37 cm groß, angelegt. Nur sechs davon sind bekannt. Die vier zentralen Teile genügten jedoch später, dass Kunsthistoriker ihn als Laienmaler von überragender Bedeutung einstuften. Gelobt werden die klare Komposition, die Detailgenauigkeit und die kraftvolle, zugleich Harmonie ausstrahlende Farbigkeit. Die im Zentrum stehende Braut trägt die Föhrer Tracht. Diese findet sich auch auf Personenbildern Brarens, von denen die Darstellung seiner Geliebten Ing Peter Matzen mit ihren beiden Kindern hervorragt. Die Bilder wurden 1980 bei einem Großbrand im Altonaer Museum vernichtet. Erhalten sind unter anderem das Bild „Mädchen in Föhrer Tracht“ im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, Schloss Gottorf, sowie ein Selbstporträt und ein Bildnis seiner Frau im Flensburger Museum. Die frühen Arbeiten befinden sich zumeist in Privatbesitz, einzelne im Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museum in Wyk sowie im Nordfriesland Museum – Nissenhaus Husum.

Braren kam erst spät zu seiner verdienten Anerkennung. Als sein „Entdecker“ darf der Lehrer und Chronist Christian Jensen (1857–1936) aus dem Marienkoog gelten. Er verfasste 1902 einen Artikel über Brarens Kunst im Hamburger Fremdenblatt. Der Deezbüller Maler Momme Nissen (1870–1943), Mitorganisator der Ausstellung schleswig-holsteinischer Kunst in Hamburg 1912, zeigte einige seiner Bilder. In dieser Ausstellung sah der einflussreiche Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer (1874–1960) Brarens unvollendete „Haustrauung“ und erwarb sie für die Hamburger Kunstgewerbeschule. 1921 brachte er die Monografie „Oluf Braren. Der Maler von Föhr“ heraus, die den Ruf des Künstlers festigte. Der Kunstschaffende Ekkehard Thieme (1936–1999) fertigte 1969–71 eine Reihe von Radierungen unter dem Titel „Über Oluf Braren“ an.

Als eine von wenigen Föhrer Persönlichkeiten ging Braren in die schöngeistige Literatur ein. Er wurde Zentralfigur in dem 1948 erschienenen biografischen Roman „Olaf Braren“ von Mia Munier-Wroblewski (1882–1965). Auch in dem 2006 erschienenen Roman „Friesenblut“ des auf Föhr geborenen Germanisten Olaf Schmidt spielt das Werk Oluf Brarens eine wichtige Rolle.

Bordel 1987, Niemeyer 1920, Schlee 1937, 1971, 1986, Schulte-Wülwer 2012, Bammé/Steensen 2010, SHBL 11.

Der Kunsthistoriker Ernst Schlee (1910–1994) würdigt das Werk Oluf Brarens folgendermaßen: „Eine besondere Art von Genialität ist am Werk, freilich eine schwer zu bestimmende. Der Betrachter erlebt es mit, dass in völliger Entlegenheit und Vereinzelung ein ungewöhnlich begabter mit gleichviel Mühsal wie Frische an den künstlerischen Idealen seiner Zeit produktiv teilzuhaben sucht, sich dabei an einem Vorbild orientiert, aus eigener Substanz aber zu persönlicher Leistung von hohem Rang gelangt, weit über bloße Nachahmung hinaus.“