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Nordfrieslandlexikon
Avenarius, Ferdinand

Avenarius, Ferdinand * 20.12.1856 Berlin, † 20.9.1923 Kampen, Schriftsteller, Kunstförderer und Naturschützer. Der Neffe Richard Wagners war seit 1887 Herausgeber des „Kunstwart“, der in der wilhelminischen Zeit wohl bedeutendsten Kulturzeitschrift. Avenarius kam 1876 zum ersten Mal für drei Monate nach Sylt. Er verliebte sich in die Naturlandschaft und wurde zum größten Verfechter des Naturschutzes auf der Insel. 1924 gründete er zusammen mit Knud Ahlborn (1888–1977) und Ferdinand Goebel (1886–1966) den Verein Naturschutz Insel Sylt, um das Gebiet zwischen Kampen und List zum Schutzgebiet erklären zu lassen. Im selben Jahr konnte das Morsum-Kliff vor den Baggern der Erbauer des Hindenburgdamms gerettet werden.

Avenarius trat für die Befreiung des Lebens von hemmenden Konventionen ein. Damit inspirierte er auch die deutsche Jugendbewegung, die sich unter Führung von Ahlborn 1919 in Klappholttal ansiedelte. 1903 ließ sich Avenarius in Kampen sein friesisch-schweizerisches Haus Uhlenkamp errichten. Auf dem Dach hatte er eine Vertiefung so konstruiert, dass er sich ungestört nackt in einer Kupferbadewanne sonnen konnte. So wurde er zum Vorreiter der Freikörperkultur.

1953 rief Ahlborn die Ferdinand-Avenarius-Gesellschaft ins Leben. Ihre Ziele, das Haus Uhlenkamp als Gedenkstätte zu erhalten und das Lebenswerk von Avenarius auszuwerten, konnten nicht erreicht werden. Haus Uhlenkamp wurde 1968 abgerissen, die Gesellschaft löste sich 1976 auf. Seit 1977 besteht ein Ferdinand-Avenarius-Institut an der Akademie am Meer in Klappholttal. Avenarius, der erste Ehrenbürger Kampens, ist auf dem Friedhof in Keitum neben dem Frankfurter Verleger Peter Suhrkamp (1891–1959) begraben.

Im „Kunstwart“ schrieb Ferdinand Avenarius 1913: „Sobald man das Dorf Kampen auf Sylt durchschritten hat, breitet sich die Welt vor einem aus, herrlich wie am ersten Tag: Heide, dann ein schmaler Binnen-Dünenstreif, der in edel ruhiger Linie die Heide umsäumt, und über ihm Meer rechts, Meer links, dazwischen aber über schön geschweifter Bucht, wie ein fernes Hochgebirge, das größte Dünengebiet Deutschlands, die Halbinsel List.“

Ahlborn 1961, Naturgemeinschaft 1994, Wedemeyer 1995.