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Nordfrieslandlexikon
Amrum

Amrum (fries.: Oomram) Die nordfriesische Insel Amrum hat eine Größe von 20,46 Quadratkilometern. Ihre drei Gemeinden Nebel, Norddorf und Wittdün mit insgesamt rund 2.280 Einwohnern (2015) unterstehen dem Amt Föhr-Amrum. Eindrucksvolle landschaftliche Formationen sind der bis zu 1,5 Kilometer breite und etwa 15 Kilometer lange Kniepsand an der Westküste und der sich binnenwärts anschließende etwa 1,5 Kilometer breite Dünengürtel. Zwischen dem südwestlichen Inselbogen Wriakhörn und Wittdün haben sich in den letzten Jahren mächtige Wanderdünen aufgetürmt. Ein neu gebildeter Dünenwall und eine Maßnahme im Küstenschutz schufen 1977 den Wriakhörnsee. Der überwiegende Teil der Insel gehört zur Geest, im Norden liegt die kleine Norddorfer Marsch. Der Geestkern besteht aus einer bis zu 18 Meter über den Meeresspiegel emporragenden Altmoräne der Saaleeiszeit. Amrum besitzt mit rund 200 Hektar Wald den größten Baumbestand aller nordfriesischen Inseln. Die Dünen, deren höchste etwa 32 Meter über den Meeresspiegel hinausragt, stehen seit 1971 unter Naturschutz. 1.866 Hektar sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Die Vogelkoje Meeram ist ein ausgewiesener Naturerlebnisraum.

Schon seit der Jungsteinzeit lebten Menschen im Gebiet des heutigen Amrum. Überreste von Häusern und zahlreiche Grabhügel zeugen davon. Etwa ab 700 n. Chr. siedelten sich Friesen an.

Traditionell lebten die Amrumer von der Seefahrt, zunächst vom Walfang, später von der Handelsschifffahrt. Auch Bergelöhne für das Heben gesunkener Schiffe sowie die in der Vogelkoje erzielten Erträge stellten einen nicht unerheblichen Einkommensanteil dar. Die Landwirtschaft spielte eher eine Selbstversorgerrolle, denn weite Teile der Insel sind auch heute noch von Dünen und Heiden bedeckt. Der 1875 in Betrieb genommene, mit 64 Metern höchste Leuchtturm der deutschen Nordseeküste darf bestiegen werden, und auch zwei Mühlen konnte man erhalten. Eine davon, ein „Erdholländer“ von 1771 in Nebel, dient seit 1964 als Amrumer Heimatmuseum. Ihr gegenüber liegt der Friedhof der Heimatlosen für die unbekannten Toten vom Amrumer Strand. Auf dem Kirchhof der Sankt Clemens-Kirche in Nebel stehen etwa 90 „sprechende Grabsteine“, die z. T. ganze Lebensläufe vor allem von Seefahrern in Bild und Text wiedergeben.

Nach dem Staatswechsel von Dänemark zu Preußen 1864/67 entzogen sich viele junge Männer der preußischen Militärpflicht und den verschärften Auflagen in der Seemannslaufbahn durch Auswanderung nach Nordamerika. 1890 begann nach anfänglichem Widerstreben der Aufstieg Amrums zum viel besuchten Seebad. Kapitän Volkert Martin Quedens (1844–1918) baute das erste Hotel aus Wellblech in Wittdün und begründete damit den Badeort mitsamt seiner inselfremden Architektur. Als christliches Gegengewicht zum geschäftlichen, weltlichen Badeleben errichtete Pastor Friedrich von Bodelschwingh (1831–1910) in Norddorf seine Seehospize. In der Inselmitte bei Nebel entstand ein großes Kurhaus im schweizerischen Fachwerkstil, erbaut von einer Aktiengesellschaft aus Hamburg-Wandsbek. Vier Reedereien brachten aus Hamburg, Bremerhaven, Husum und Dagebüll die Besucher herbei. Zur Weiterbeförderung der Gäste entstand 1893 eine Eisenbahn von Wittdün zum Kniepsand. Die Bahn wurde 1901 zur Inselbahn erweitert, um einen Anschluss für den Fährverkehr nach Hörnum auf Sylt zu erhalten. In der Folge kam es zu einer umfangreichen Einwanderung von Auswärtigen, vor allem Bauhandwerkern und Saisonpersonal.

Diese Entwicklung wirkte sich auch auf die friesische Sprache der Insel, das Öömrang, aus. Während vor dem Zweiten Weltkrieg die Zugezogenen noch überwiegend Friesisch lernten, kehrten sich die Verhältnisse mit dem Eintreffen der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen um. Öömrang ist heute eine gefährdete Sprache. Der Heimatverein Öömrang Ferian, ein Teil der friesischen Bewegung, bemüht sich intensiv um die Sprachpflege. Im Öömrang Hüs in Nebel, einem weitgehend originalgetreu erhaltenen Seefahrerhaus, sind historische Einrichtungen und Gebrauchsgegenstände ausgestellt.

Günstiger sieht es für ein inselgerechtes Bauen im Friesenstil aus. Hier bewirkten die veränderten Ansprüche der Gäste und Amrum-Fans aus den Großstädten, dass viele Häuser mittlerweile originalgetreu renoviert oder neu gebaut wurden. Der Bauboom vernichtete allerdings einen Großteil der alten Gemütlichkeit und erzeugte die enormen infrastrukturellen Probleme eines Massentourismus. Die rund 10.000 Besucherbetten sind heute die nahezu alleinige Erwerbsgrundlage der Amrumer. Außerdem dienen zwei Zeltplätze dem Fremdenverkehr.

Die Linienverbindungen vom Hafen Wittdün zum Festland verlaufen über Wyk auf Föhr nach Dagebüll sowie über die Halligen Langeneß und Hooge nach Schlüttsiel im Hauke-Haien-Koog. Bei Ebbe kann man auf einer Wattwanderung in zwei Stunden zur Nachbarinsel Föhr gelangen.

Hansen/Hansen 1971, Quedens 1994 u. 2000c, Quedens/Hingst/Stück/Wilts 1991.

L. C. Peters (1885–1949) dichtete diese Liedverse auf seine Heimatinsel. Gesungen werden sie nach der Weise „In der Heimat ist es schön“. Die letzte Strophe wurde auf einem Gedenkstein am Öömrang Hüs verewigt.

Min öömrang lun

Dü min tüs, min öömrang lun,
huar so huuch a düner stun,
huar bi a Kniip a braanang bromet,
huar a waastwinj ei ferstomet,
iiwag spelet mä a sun,
leef haa’k di, min öömrang lun!

Dü min tüs, min öömrang lun!
Rikdum as diar ei tu fun,
skraal san ääkerlun an fäänen,
man diar wene jo bekäänden,
diar min hart am naisten stun,
leef haa’k di, min öömrang lun!

Dü min tüs, min öömrang lun
iarelk san diar hart an hun,
trauhaid luket ütj ark wönang,
riker felst dü üs en könang,
arken koon di diar ferstun,
leef haa’k di, min öömrang lun!

Dü min tüs, min öömrang lun,
leewen mei din aard bestun!
Wat a feedern üs ferareft,
läät’s dach sä, dat det ei stareft!
Jääw wi’t ap, det wiar en skun!
Leef haa’k di, min öömrang lun!