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Nordfrieslandlexikon
Alkoven

Alkoven (arab.: al qubba = Zelt, Kuppel, Gemach; franz.: alcôve; fer.: wochbaad; frasch: lökebeed) ist die Bezeichnung für eine Bettnische. Die ursprünglich arabische Raumform wurde von den Spaniern übernommen und verbreitete sich Mitte des 17. Jahrhunderts über alle europäischen Länder. Die bis zu 1,80 Meter langen und bis zu einem Meter tiefen, relativ kleinen Schlafkästen waren in die Wände zwischen den Zimmern eingelassen und mit Türen oder Vorhängen abtrennbar. Reichte die Länge des Alkovens nicht aus, ruhte man halb aufgerichtet mit mehreren Kissen im Rücken. Die Eltern schliefen in den Alkoven in der Küche, Kinder und Gesinde – bis zu drei oder vier Personen in einem Bett – in Wandbetten auf der Diele, in der Küche oder in der Kammer. Der Hohlraum unter der Matratze wurde als Aufbewahrungsort z. B. für Kartoffeln genutzt und bildete häufig eine ideale Niststätte für Mäuse. Mit der allgemeinen Verbesserung der Lebensbedingungen und der Hygiene verschwanden zu Beginn des 20. Jahrhunderts die letzten Alkoven aus dem Alltagsleben. Zu besichtigen sind sie z. B. noch im Altfriesischen Haus in Keitum auf Sylt und im Altföhringer Haus in Wyk auf Föhr.

Adelbert v. Baudissin (1820–1871) schrieb 1865 in seinem Buch „Schleswig-Holstein – Meerumschlungen“: „Ganz abgesehen von der Gefahr, in den Eiderdaunen zu ersticken und in dem weichen Unterbett zu versinken, ist das Bett so kurz, daß man sich nicht der Länge nach ausstrecken kann. Man muß wegen der unzähligen Kopfkissen aufrecht sitzen, kann das schwere Oberpfühl nicht von der Stelle bewegen und schnappt nach Luft wie ein Gehenkter.“

v. Baudissin 1865, Grunsky 2000a, Kühnast 2000c, Mehl 1999.