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Nordfrieslandlexikon
Pellworm

Pellworm (fries.: Polweerm) Die Gemeinde Pellworm liegt auf der gleichnamigen Marschinsel rund 25 Kilometer Luftlinie westlich von Husum im nordfriesischen Wattenmeer. Das Land befindet sich etwa ein Meter unter Meeresspiegelniveau und muss mit Deichen rundum geschützt werden. Die Gemeinde setzt sich aus den Ortsteilen Alte Kirche, Hooger Fähre, Junkersmitteldeich, Klostermitteldeich, Nordermitteldeich, Osterschütting, Parlament, Schmerhörn, Seegarden, Südermitteldeich, Tammensiel, Tilli, Waldhusen, Westerschütting sowie den Halligen Süderoog und Südfall zusammen und gehört zum Amt Pellworm. Die Insel ist über eine regelmäßige Fährverbindung nach Strucklahnungshörn auf der Halbinsel Nordstrand mit dem Festland verbunden. Auch der alte Hafen Tammensiel, der hauptsächlich Krabbenkuttern und Sportbooten dient, kann bei hohem Wasserstand noch für den Fährverkehr genutzt werden. Eine kleine Fähre fährt täglich zur benachbarten Hallig Hooge.

Aff Pylwerum wurde 1344 erstmals urkundlich erwähnt. Die Bedeutung des Namens ist nicht klar. Vermutlich handelt es sich um eine „geschützte, bewehrte Siedlung“ (werum) „bei einer Bucht, einem kleinen Kanal“ (zu englisch: pyll oder pill) oder „bei Knöterich“ oder „Rietgras“ (zu Piel). Pellworm besteht als selbstständige Insel erst seit 1634, als in einer großen Sturmflut die Insel Alt-Nordstrand in mehrere Teile zerbrach und etwa drei Viertel ihrer Fläche gänzlich verloren gingen. Über 6.000 Menschen kamen zu Tode. Der Westteil Pellworms, der Kern der ehemaligen Pellwormharde, konnte durch fachkundige Initiative des Niederländers Cornelius Jansen Allers bereits bis 1637 wieder bedeicht werden und bildete den Kern der neuen Insel. Um diesen „Großen Koog“ mit einer Fläche von 1.322 Hektar und einem Deich von 15 Kilometern Länge konnten in den nächsten 50 Jahren ringförmig zehn weitere Köge gewonnen werden: Alter Koog, Großer Norderkoog, Hunnenkoog, Johann-Heimreichs-Koog, Kleiner Koog, Kleiner Norderkoog, Mittelster Koog, Süderkoog, Ütermarkerkoog und Westerkoog. 1939 wurde der Bupheverkoog eingedeicht.

Das Regenwasser sammelt sich zum größten Teil im Waldhusentief im Nordwesten des Großen Kooges. Über den Bekstrom wird es zum Tammensiel im Osten der Insel geführt und durch eine Schleuse in das Wattenmeer abgeleitet.

Die Insel hat heute eine Fläche von 37,44 Quadratkilometern, auf der rund 1.150 Menschen (2015) leben. Etwa 30 landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe und 20 weitere nutzen eine Fläche von 3.150 Hektar fruchtbaren Landes überwiegend zur Viehgräsung, wobei die Schafzucht auch für den Deichschutz eine wichtige Rolle spielt. Etwa zehn Prozent der Ernte werden aus ökologischem Landbau gewonnen. Mit der Gründung eines Fremdenverkehrsvereins begann 1928 die Erschließung einer neuen Einkommensquelle. 1.900 Gästebetten standen 2015 für 153.000 Übernachtungen zur Verfügung. Elektrischer Strom gelangte erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Insel, die sanitären Verhältnisse verbesserten sich entscheidend ab 1964, als Pellworm eine Trinkwasserleitung vom Festland erhielt. 1992 rückte die Insel dem Festland nochmals ein ganzes Stück näher, weil mit der Fertigstellung eines Niedrigwasseranlegers die Fähren für die Strecke nach Strucklahnungshörn auf Nordstrand nur noch etwa 35 Minuten benötigen. Die Förderung einer ökologischen Wirtschaftsweise in Landwirtschaft, Fremdenverkehr und bei der Erzeugung erneuerbarer Energie sorgte dafür, dass Pellworm im Jahr 2000 „Expogemeinde“ wurde. Pellworm ist auch anerkanntes Nordseeheilbad und verfügt über ein Kurzentrum mit Schwimmbad, über ein Kurmittelhaus und ein Mutter-Kind-Kurheim. Rund 160 Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse besuchen die Hermann-Neuton-Paulsen-Schule.

Bekanntestes Bauwerk auf Pellworm ist die Alte Kirche Sankt Salvator. 1611 zum größten Teil eingestürzt, überragt noch heute ein Teil des 26 Meter hohen klobigen, aus dem 13. Jahrhundert stammenden Backsteinturms die Insel und ist bei günstigen Sichtverhältnissen auch vom Festland mit bloßem Auge zu erkennen. Im Umfeld der Kirche sind Grabsteine aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu finden. Auf dem Friedhof der Heimatlosen liegen die unbekannten Opfer der Seefahrt begraben. Ihre angespülten Leichname zeugen von den dramatischen Schiffsunglücken, die sich auf der Nordsee ereigneten.

Die Neue Kirche Sankt Crucis entstand 1622 aus einer Privatkapelle. Die Westfassade wurde 1867 im neugotischen Stil renoviert. Der Altar stammt von 1520, der Taufstein von 1587. 1716 erhielt die Kirche ein Pastorat. In diesem Kirchspiel liegt der frühere adelige Hof Seegard. Er wurde 1828 samt 66 Hektar Land von der Landschaft Pellworm aufgekauft und ging später in Privatbesitz über.

1978 wurde das Momme-Nissen-Haus mit der katholischen Petrus-Kapelle eingeweiht. Es dient vor allem im Sommer den Gottesdiensten mit katholischen Touristen, darüber hinaus als Veranstaltungshaus. Die Fenster der Kapelle zeigen Szenen der Sturmflut von 1634, gestaltet von Franz Griesenbrock aus Vaals/Niederlande.

Für die Sicherheit der Schifffahrt sorgt der 41,5 Meter hohe Leuchtturm, dessen Feuer über 20 Seemeilen weit reicht. Auf 36 Meter Höhe wurde ein kleines Standesamt eingerichtet. Zu weiteren Sehenswürdigkeiten gehört die Nordermühle. Sie wurde 1777 erbaut als einstöckiger Galerieholländer. Seit 1995 befindet sich ein Restaurant in der Mühle, im Rungholt-Museum werden Kulturfunde aus dem Wattenmeer gezeigt.

1983 wurde ein kombiniertes Solar- und Windkraftwerk errichtet. Seine Leistung allein reicht aus, um die Stromversorgung für die ganze Insel zu gewährleisten. Zusammen mit einem Windpark, etlichen Einzelmühlen, einer Biogasanlage und jeder Menge Photovoltaik auf den Haus- und Schuppendächern wird mit rund 22,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr das Doppelte des Eigenbedarfs erzeugt. Im Nordwesten der Insel befindet sich eine historische Vogelkoje. Sie ist umgeben von dem einzigen Gehölz auf der Insel.

K. Hansen 1961, Quedens 1982b, Schleswig-Holstein Topographie 2006.