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Nordfrieslandlexikon
Ochsenweg

Ochsenweg, Heerweg oder Herrenweg sind Bezeichnungen für frühgeschichtliche Verbindungswege, die unter herrschaftlichem Schutz standen. Die Wege wurden seit der Bronzezeit als Handels- und Heeresstraßen benutzt, vom 17. bis ins 19. Jahrhundert hinein verlief hier auch die Postbeförderung. In ihrer Hauptbedeutung dienten die Trassen seit etwa 1500 als Triftwege für die Ochsenherden, die als „Magervieh“ von Jütland zur Mast in die Nordseemarschen und weiter als „Grasochsen“ bis zur Elbe getrieben wurden. Die bekannteste Trasse verlief von Jütland über den schleswig-holsteinischen Mittelrücken nach Rendsburg, wo sie auf den westlichen Ochsenweg traf. Dieser führte von Ripen in Dänemark über Tondern, Süderlügum, Leck, Schardebüll, Soholmbrück, Dörpum, Drelsdorf, Bohmstedt, Ahrenshöft, Arlewatt und Horstedt bis nach Husum zum Hauptochsenmarkt des 19. Jahrhunderts. Weiter verlief die Strecke über Treia und ab etwa 1570 über Ostenfeld und Hollingstedt nach Rendsburg und dann entweder über Itzehoe nach Wedel oder über Bramstedt nach Hamburg.

Die acht bis zwölf Meter breiten Ochsenwege lagen etwas abseits der Ortschaften und führten häufig über Ödlandflächen. An den Ruheplätzen erweiterten sie sich auf 25 Meter und mehr. Da der Untergrund aus Sand bestand und immer wieder durch Wagen, Händler und Vieh aufgewühlt wurde, konnte der Wind die oberen Schichten abtragen, sodass sich zu beiden Seiten der Wege über die Jahrhunderte kleine Wälle bildeten.

Wenn im Frühjahr die Ochsentrift erwachte, kündigten die „Futterschaffer“ am jeweiligen Etappenziel die herannahende Herde an. Sie erschienen einige Stunden früher in den „Ochsenkrügen“ entlang der Strecke – wie z. B. Gläserkrug und Rugeranzel bei Leck, Linnerthof und Klingenberg zwischen Engerheide und Soholmbrück, Bankzettelkrog bei Dörpum, Hohenhörn bei Bohmstedt, Jägerkrug bei Ahrenshöft, Feddersburg und Augsburg bei Schwesing oder Kronenburg und Rosenburg bei Husum – und besorgten Quartier und Futter. Die Ochsen trafen am Nachmittag ein, nachdem sie 20 bis 30 Tageskilometer zurückgelegt hatten. Auf etwa 50 Tiere kam ein Treiber. Bis zu 30 Triften konnten an einem einzigen Tag eine Übernachtungsstelle erreichen. In Husum wurden in guten Jahren bis zu 15.000 Ochsen auf dem Viehmarkt angeboten.

Mit dem Ausbau der Eisenbahnstrecke von Altona bis Niebüll 1887 übernahm die Marschbahn den Viehtransport. Wichtiger Verladebahnhof wurde Husum, der Viehmarkt nahm einen großen Aufschwung.

Zur Zeit der Ochsentriften wurde fast nur mit Hartgeld bezahlt, das von den Händlern in größerer Menge in Lederbeuteln, den Geldkatzen, mitgeführt werden musste. Eine Gastwirtschaft bei Dörpum soll einst mehreren Händlern die Münzen in gefälschte Banknoten umgetauscht haben. Das Falschgeld wurde in einem Hinterzimmer hergestellt. Seither trägt das Lokal im Volksmund den Namen „Bankzettelkrog“.

Röhr 2009.