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Nordfrieslandlexikon
Beltringharder Koog

Beltringharder Koog (fries.: Beltringhiirder Kuuch) Vor der Hattstedtermarsch nördlich von Husum liegt seit 1987 der rund 3.340 Hektar große Beltringharder Koog. Er wurde eingedeicht als Küstenschutzmaßnahme im Rahmen des Generalplans Deichverstärkung, Deichverkürzung und Küstenschutz in Schleswig-Holstein.
Seit der großen Sturmflut von 1634 verlief zwischen Pellworm und Nordstrand die Norderhever. Sie verbreiterte sich stetig, räumte Millionen von Kubikmetern Wattboden aus und bedrohte zunehmend die Küsten der beiden Inseln sowie der Hamburger Hallig und der Hallig Nordstrandischmoor. Der Küstenschutz forderte deshalb in den 1980er-Jahren eine Bedeichung der Nordstrander Bucht bis zum Hauke-Haien-Koog.

Gegen diese „große Lösung“ gingen über 3.500 Einwendungen vor allem von Vertretern des Naturschutzes ein. Sie hielten den vorgesehenen Eingriff in den Naturraum Wattenmeer für unnötig groß. Die Landesregierung befürwortete schließlich eine „kleine Lösung“, die einen Deich von Nordstrand bis zum Südende des Sönke-Nissen-Kooges vorsah. Damit entstand 1987 dennoch einer der größten Köge Nordfrieslands. Gewaltiges Baumaterial wurde bewegt, darunter z. B. 350.000 Tonnen Steine aus Norwegen und Schweden. Mit dem Deichschluss wurde Nordstrand zur Halbinsel. Der knapp neun Kilometer lange Landesschutzdeich zeigt sich bis heute größtenteils als Schardeich. Nur im nördlichen Bereich entstand ein großflächiges Vorland, das zum Schutz der Hamburger Hallig angelegt wurde. Über den Treibsel-Abfuhrweg und den Deichverteidigungsweg führen mehrere Radrouten wie z. B. der Nordseeküstenradweg der internationalen North Sea Cycle Route (NSCR).

Der Koog blieb unbesiedelt und steht als Salzwasserbiotop seit 1991 unter Naturschutz. Er ist in verschiedene Biotope unterteilt: Im Norden befindet sich ein Speicherbecken für die Entwässerung des Sönke-Nissen-Kooges. Südlich schließen sich der Lüttmoorsee nördlich von Lüttmoorsiel und eine 860 Hektar umfassende Salzwasserlagune an, die durch das Holmer Siel an den Gezeitenrhythmus angeschlossen ist. Sie bietet einen dem Wattenmeer ähnlichen Lebensraum im Koog. Zu den vom Süßwasser geprägten Zonen gehören ein 430 Hektar großes Speicherbecken zwischen Arlauschleuse und Holmer Siel, das die Niederschlagsgewässer aus dem Arlaugebiet aufnimmt, und südwestlich davon der Holmer See. Mittlerweile entstand hier ein bedeutendes Brutgebiet für selten gewordene Vögel wie den Wachtelkönig, den Stelzenläufer oder den Ohrentaucher. Außerdem wächst ein Küstenbruchwald heran, wie er im frühen Mittelalter noch große Teile der Nordseeküste bedeckte.

Kunz/Panten 1999, Saggau/Stadelmann 1988.