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Nordfrieslandlexikon
Jungsteinzeit

Jungsteinzeit (Neolithikum, 4000 bis 1700 v. Chr.) Etwa um 4000 v. Chr. hielten Ackerbau und Viehzucht ihren Einzug in den nordfriesischen Raum. Siedler schlugen mit geschliffenen Feuersteinbeilen Rodungsinseln in die Wälder und wurden als Bauern sesshaft. Die alte Naturlandschaft wurde allmählich in eine Kulturlandschaft umgewandelt. Nach einem typischen Tongefäß, einem Trinkbecher mit trichterförmiger Mündung, spricht man von der Trichterbecherkultur. Der Schwerpunkt der Funde und damit wohl auch der Besiedlung liegt ab der Jungsteinzeit eindeutig auf den Inseln. Grabhügel und Großsteingräber bezeugen dies. Etwa ab 2800 v. Chr. machte sich ein Wandel bemerkbar. Neue Großsteingräber entstanden nicht mehr, die sogenannte Schnurkeramik- oder Einzelgrabkultur benutzte die bereits bestehenden Grabstätten für weitere Bestattungen. Einflüsse der aus den Niederlanden kommenden Glockenbecherkultur sind durch Funde von Flintpfeilspitzen belegt.

Über die Lebensweise der jungsteinzeitlichen Bevölkerung ist wenig bekannt. Die Siedler lebten neben Ackerbau und Viehzucht auch von der Jagd und der Fischerei. Ihre Werkzeuge und Geräte bestanden aus bearbeitetem Holz, Tierknochen sowie Flint- oder Feuerstein. Neue Forschungen zeigen, dass ihre Spezialisierung bei der Geräteherstellung und Rohstoffgewinnung wohl größer war, als dies lange angenommen wurde. Man fand geschickt zugeschlagene und geschliffene Flintbeile und Nadeln, Feuersteinmeißel und -dolche, Pfeil- und Lanzenspitzen und Äxte. Beile und Meißel aus dem roten Flint von Helgoland, die in einer Grabkammer bei Nieblum auf Föhr gefunden wurden, weisen auf einen frühen Hochseehandel hin. Sie sind neben weiteren Funden in der archäologischen Ausstellung des Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museums in Wyk zu sehen.

Bantelmann 2003, Harck/Kossack/Reichstein 1992, Kersten/La Baume 1958, Reichstein 1996 u. 2000.