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Nordfrieslandlexikon
Packhaus Tönning

Packhaus Tönning Auf einer Landzunge zwischen der Eider und dem Hafenbecken steht weithin sichtbar das Packhaus von Tönning. Es wurde 1783 fertiggestellt und gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt. Es handelt sich um ein Backsteingebäude mit einer Grundfläche von 77 mal 13 Meter. Eine Holzständerkonstruktion aus Eichen- und Nadelhölzern trägt drei Obergeschosse, womit sich eine Lagerfläche von etwa 4.000 Quadratmetern ergibt. Das Erdgeschoss hat neun hochrechteckige und fünf querrechteckige Fenster, das ganze übrige Gebäude querrechteckige Luken. Markierungen an der Außenwand zeigen, dass bei Sturmfluten regelmäßig Wasser in das Haus eindrang. Erst seit der Fertigstellung des Eidersperrwerkes 1973 wird das Tönninger Hafengelände nicht mehr überflutet.

Die damaligen Erwartungen in den Warenumschlag spiegelt ein „Reglement“ der „Königlich Westindischen Guineischen Rente- und General-Zoll-Kammer zu Kopenhagen“ von 1785 wider, das die Packhausmiete festlegte. 90 Produkte werden dort erwähnt, neben Dingen für den täglichen Gebrauch u.  a. auch Blech und Eisen, Felle und Häute, Schwefel, Teer und Zinn. Tönning als letzter Hafen vor der Nordsee profitierte auch von Schiffen, die hier anlegten, um sich für die weitere Fahrt auszurüsten. Nach dem Kanalbau entstanden eine Lohgerberei, eine Reepschlägerei, Stärkefabriken, zwei Brauereien und eine Ziegelei. Die Tönninger Händler selbst besaßen zwar keine Schiffe, waren aber erfolgreiche Schiffsaufkäufer und -makler.

Während der Kontinentalsperre 1803–07 barst der Speicher aus allen Nähten. Die für Hamburg bestimmten Schiffe löschten nun ihre Ladung in Tönning, alle verfügbaren Keller, Ställe und Schuppen mussten zusätzlich angemietet werden. Mit der Fertigstellung des Kaiser-Wilhelm-Kanals, ab 1948 Nord-Ostsee-Kanal, verlor das Packhaus 1895 seine ursprüngliche Bedeutung. Viele Jahrzehnte lang wurde das Haus vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben. Im Jahr 2000 entschied die Stadt Tönning, das seit 1965 unter Denkmalschutz stehende Packhaus dem Fremdenverkehr zu widmen. Es konnte umfassend saniert werden. Die Gesellschaft für Tönninger Stadtgeschichte nutzt das erste Obergeschoss als Ausstellungsraum. Alljährlich zur Weihnachtszeit ziert die Fassade des Hauses der längste Adventskalender der Welt. Das Ereignis wurde in das Guinnessbuch der Rekorde eingetragen.

Nordfriisk Instituut.