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Nordfrieslandlexikon
Heide

Heide (fer.: hias; frasch: hii; sölr.: Hiið); wied.: hiir) bezeichnet zumeist baumarme oder baumlose Zwergstrauchbestände auf sandigen Böden. Weite Teile Nordfrieslands, vor allem auf der östlichen Geest, waren in früheren Jahrhunderten als Folge von Waldrodungen mit Heide bedeckt. Meist wurden diese Flächen in Form der Allmende von den Dorfbewohnern als Weideland für Schafe und die anspruchslosen Heidschnucken genutzt oder als Plaggendüngung.

Im 18. Jahrhundert begann man mit einer zunächst wenig erfolgreichen Kultivierung der Heiden und Moore, vor allem um Siedler z. B. aus Süddeutschland zur Kolonisation anzuwerben. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die nordfriesische Geest noch zu 70 Prozent von Heiden und Mooren bedeckt. Eine generelle Umwandlung der Landschaft begann mit der Erfindung des Kunstdüngers, der die Erträge im Ackerbau sprunghaft ansteigen ließ. Außerdem bemühte man sich nun auch um eine Wiederaufforstung der öden Heideflächen. So wurden im bis dahin fast waldlosen Nordfriesland Baumpflanzungen in großer Zahl vorgenommen. Durch solche Maßnahmen reduzierten sich die Heideflächen in den letzten 150 Jahren auf einen Anteil von unter einem Prozent. Nur Ortsbezeichnungen wie Kolkerheide, Loheide, Engerheide oder Drachheide weisen heute noch auf sie hin.

Die wenigen noch erhaltenen Heiden Schleswig-Holsteins wurden unter Naturschutz gestellt und befinden sich etwa zu 50 Prozent auf der Insel Sylt. Dort werden rund 2.900 Hektar Heide in mehreren Naturschutzgebieten besonders betreut. Über 2.000 Tier- und rund 150 Pflanzenarten wurden bis heute in diesem Lebensraum gezählt. Allein fast 600 Schmetterlingsarten, wie z. B. Fuchs-, Zitronen- und Distelfalter sowie Pfauenaugen, sind zu beobachten. Bei Braderup und oberhalb des Morsum-Kliffs gibt es noch zwei Gebiete mit der ursprünglichen Küstenheide. Ansonsten überwiegt die Krähenbeere. In trockenen Bereichen gedeihen besonders die Besenheide, das Behaarte Habichtskraut und der Englische Ginster. In vermoorten Senken, wie bei Morsum, findet man die Glockenheide oder Erika, die Rausch- oder Sumpfheidelbeere, die Rasensimse und die Sparrige Binse. Im feuchten Morast wachsen zwischen Schilfrohr der Sonnentau, die Ährenlilie und der Lungenenzian. Im Hochsommer erblüht die Heide und gleicht einem rosa-violetten Teppich.

Auf dem Geestkern muss die Heide gepflegt werden, wenn sie nicht verbuschen und schließlich durch Baumbestand abgelöst werden soll. In den Dünenbereichen befindet sie sich ohnehin im Endstadium der pflanzlichen Entwicklung. Früher nutzte man die Holzsträucher als Brennmaterial oder zur Herstellung von Besen. Heute durchstreifen Jäger und Mitarbeiter der Naturschutzgemeinschaft Sylt die Heideflächen und schneiden vor allem Birkenschößlinge heraus. Ein Teil der Braderuper Heide wurde 1989, 1995 und 2001 durch Plaggen, das Abschälen einer etwa zehn Zentimeter tiefen Schicht, regeneriert. Schonender ist die Beweidung mit Schafen und Ziegen, die auf natürliche Weise für eine Ausmagerung und ein Abweiden der Gehölze sorgen. Im Rahmen eines Heideschutzprogrammes wurde dafür 1999 erstmals eine Wanderherde vom Festland gemietet. 2014 wurde auch ein kontrolliertes Abbrennen zur Heideverjüngung angewendet.

Århammar 1967, Christiansen 2000, Emeis 1967, Kunz/Steensen 2014, Naturschutzgemeinschaft o. J
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