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Nordfrieslandlexikon
Gänse

Gänse (fer.: ges; frasch: gäis; sölr.: Gös; wied.: gäise) sind vor allem im Mündungsgebiet der Flüsse und im Bereich der Halligen anzutreffen. Im Unterschied zu Enten haben sie einen verhältnismäßig langen Hals und bleiben lebenslang ein Paar. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht in der Färbung. Die meisten Gänse sind Zugvögel und kommen zur Überwinterung ins Watt oder nutzen es auf dem Durchzug als Rast- und Futterplatz bzw. warten hier auf günstigere Flugbedingungen. Die drei hauptsächlichen Gänsearten sind die bunt gefiederte Brandgans, die dunkle Ringelgans und die schwarzweiße Nonnengans. Die von Konrad Lorenz (1903–1989) erforschte Graugans, die Stammform der Hausgans, wurde 1975 auf Initiative des Landesjagdverbandes im Hauke-Haien-Koog als Gehegevogel ausgesetzt. Inzwischen hat sie die meisten Süßgewässer Nordfrieslands erobert. Mit zunehmender Tendenz taucht während der Zugzeit die an einem weißen Fleck an der Schnabelwurzel und schwarzen Bauchstreifen erkennbare Blässgans auf. Steigende Gänsezahlen werden für die Bauern mittlerweile zu einem wachsenden Problem bis hin zur Existenzbedrohung, denn fünf Gänse fressen etwa so viel Gras wie ein Schaf. Das Land Schleswig-Holstein leistet Ausgleichszahlungen für die erlittenen Schäden.

Borcherding 2013 u. 2014, Fiedler 1992, Quedens 1976 u. 1990a.