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Nordfrieslandlexikon
Zweitwohnungen

Zweitwohnungen Als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Nebenerwerbs- und Kleinlandwirtschaft durch den Fremdenverkehr als Einkommensquelle abgelöst wurde, änderten sich in vielen Gemeinden Nordfrieslands, hauptsächlich auf den Inseln und Halligen, die Wohnverhältnisse. Heuböden und Dachgeschosse der utlandfriesischen Häuser wurden mit Ferienzimmern ausgebaut, Neubauten entstanden im „Fremdenverkehrs-Friesenstil“. Für historische Häuser konnten Preise erzielt werden, die weit über dem Realwert lagen. Sie wurden an Auswärtige verkauft, die sie überwiegend nur als Zweitwohnung nutzen. Dies führt in zunehmendem Maße dazu, dass junge einheimische Familien keine Möglichkeit mehr finden, sich in ihrer Heimat anzusiedeln. Eine Integration der Zweitwohnungsbesitzer findet kaum statt. Die einst lebhafte dörfliche Gemeinschaft und alte Sitten und Bräuche sind kaum noch anzutreffen.

Auch die Urlauber veränderten ihre Gewohnheiten. Immer weniger Menschen verbrachten ihren Aufenthalt in Hotels oder Pensionen, sondern bezogen eine Ferienwohnung oder „anonyme“ Appartements. Außerhalb der Saison bleiben diese in aller Regel unbewohnt. Dies reißt nicht nur Lücken in die Kommunikationsstruktur ganzer Ortsteile, sondern verhindert auch das Zusammenwirken in der Not. Nachbarschaftshilfe, Streu- und Räumdienste im Winter und anderes mehr sind nicht mehr gewährleistet.

Statistische Angaben zu Zweitwohnungen sind amtlicherseits nicht möglich. Das Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik veröffentlichte 2016 Zahlen für Sylt. Demnach leben zwei Drittel der Wohnbevölkerung dauerhaft auf der Insel, ein Drittel zählt zur Zweitwohnbevölkerung. 40 Prozent der Wohneinheiten sind Dauerwohnungen, 23 Prozent Zweitwohnungen und 36 Prozent dienen der touristischen Vermarktung.

Quedens 2012.