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Nordfrieslandlexikon
Tinnumburg

Tinnumburg (sölr.: Tinemborig) In der Tinnumer Marsch auf Sylt liegt eine kreisförmige Wallanlage. Sie wurde auf der ältesten Kleischicht der Südermarsch errichtet. Unter dem heute sichtbaren Erdwerk kamen Funde aus der Zeit um Christi Geburt zum Vorschein, die eine älteste Anlage analog zur Archsumburg nahe legen. Nach einer jahrhundertelangen Phase ohne neue Besiedlungsspuren entstand der jetzt vorhandene Wall in einer frühgeschichtlichen Periode. Eine wikingerzeitliche Bebauung des Innenraumes gilt als gesichert. Eine Ausgrabung im Jahre 1976 erbrachte Hinweise auf einfache Sodenhäuser und Herdstellen aus frühgeschichtlicher Zeit. Der heute sichtbare Wall hat eine Höhe von etwa acht Metern und eine Breite von 20 Metern. Der Wallkörper wurde immer wieder verändert. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der damalige Landvogt die Burg „ausgraben“ und den Wall von Süden her durchstechen. Im 19. Jahrhundert nutzten Bauern das Burgzentrum als Viehtränke, bis Landvogt Schwen Hans Jensen (1795–1855) dies unterband, weil er die Erde auf die Wiesen fahren wollte. Durch die Anlage von Schützengräben wurde im Zweiten Weltkrieg die Wallkrone teilweise zerstört, später aber wieder rekonstruiert.

Engler 1993, Harck 1990, Reichstein 1996, Segschneider 2000.