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Nordfrieslandlexikon
Tetens, Johann Nicolaus

Tetens, Johann Nicolaus * 16.9.1736 Tetenbüll, † zwischen 14. und 19.8.1807 Kopenhagen, Philosoph, Mathematiker, Physiker. Der Bauernsohn aus Eiderstedt wurde Privatdozent und 1763 Professor der Physik an der Universität Bützow/Mecklenburg, 1776 Professor der Philosophie und Mathematik in Kiel. Er gehörte zu den größten Philosophen seiner Zeit, stand aber im Schatten des Genies Kant und geriet dadurch weitgehend in Vergessenheit. Als sein Hauptwerk gilt die 1776/77 erschienene Arbeit „Philosophische Versuche über die menschliche Natur“. Das Interesse des vielseitig interessierten Mannes galt auch praktischen Fragen. In seinem Erfahrungsbericht „Reisen in die Marschländer an der Nordsee“ (1787/88) legte er u. a. Mängel im Küstenschutz offen. Tetens plädierte für einen Deichbau, wie er ihn im Desmerciereskoog bereits vorbildlich verwirklicht sah. In der Finanzverwaltung des dänischen Gesamtstaats in Kopenhagen bekleidete er hohe Ämter. Er richtete u. a. eine Versorgungs- und Witwenkasse ein.

ADB 37, SHBL 4, Steensen 2007b, Tetens 1788.


In seinem Bericht über die Marschländer schrieb Tetens über Eiderstedt: „Ich fand noch die nervenfeste und knochenstarke Menschenart, etwas kaltgründig von seiten der Phantasie und der Empfindsamkeit, aber von festem und starkem gesunden Verstand, großmüthig, und auf ihrem fetten Boden und ihrem Rest von Freyheit etwas stolz. … Die friesische Sprache ist ganz aus dem Lande weg, aber die Landessprache, welche im Ganzen das gewöhnliche Niedersächsische ist, hat doch manches eigene in den Wörtern und in der Verbindung, und ist von der jenseits der Eyder in Dithmarschen eben so verschieden, als die Menschen selbst hier und dort es sind.“