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Nordfrieslandlexikon
Rollwagen, Johann Claussen

Rollwagen, Johann Claussen * 1563/64 in den Niederlanden, † 1623/24 Alkmaar, Generaldeichgraf. Als Geschäftsmann wurde Rollwagen in Alkmaar und Amsterdam vermögend. Um 1600 setzte er sich in Amsterdam in mehreren Flugschriften für religiöse Toleranz ein. Nach Deicharbeiten in Ostfriesland wurde er an der Westküste Schleswig-Holsteins tätig. Herzog Johann Adolf von Gottorf (1575–1616) berief ihn 1609 in das neu eingerichtete Amt eines Generaldeichgrafen. Rollwagen wohnte im herzoglichen Schloss in Tönning. Ihm gelang in den Jahren 1610–13 die Eindeichung von sechs Kögen in Eiderstedt. Zu den neuen Techniken, die er dabei nach niederländischem Muster einführte, gehörten die Verwendung von Schubkarren statt der von Pferden gezogenen Sturzkarren, die Verrichtung der Arbeiten durch spezialisierte Bauunternehmer und ihre Tagelöhner und die Ersetzung der steil zum Wasser abfallenden hölzernen Stackdeiche durch reine Erddeiche mit flachen Böschungen. Er entwickelte zahlreiche Pläne für eine Verbesserung des Wasserwesens, empfahl u. a. einen Dammbau nach Alt-Nordstrand. Ein Arbeiteraufstand während der Hafenarbeiten in Tönning 1613 zwang ihn zur Flucht zurück nach Alkmaar, von wo aus er nur noch gelegentlich Dienstreisen nach Nordfriesland unternahm und die Haupttätigkeiten seinem Sohn Claus Jansen Rollwagen (um 1588–1631) überließ. Die letzte von ihm selbst geleitete Unternehmung war die Bedeichung eines Kooges bei Cuxhaven 1618.

Lohmeier 1980; SHBL 6.