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Nordfrieslandlexikon
Reet

Reet (fer.: raid; frasch: räit; sölr.: Rait; wied.: räid) ist die allgemein gebräuchliche niederdeutsche Bezeichnung für das Schilfrohr. Es wächst an flachen Ufern, in Mooren und Sümpfen und wird bis zu vier Meter hoch. Damit ist es die größte Grasart Mitteleuropas. Es hat hohle Stängel, um Sauerstoff zu den im nassen Boden fußenden Wurzeln zu leiten.

Das getrocknete, gebündelte Schilfrohr wird u. a. zum Dachdecken benutzt. Früher wurde das benötigte Schilf aus den feuchten Niederungen der Marsch gewonnen, heute kommt es z. B. aus dem Hauke-Haien-Koog, aus Dithmarschen, aber auch aus dem Ausland wie Österreich, Rumänien, Ungarn oder der Türkei. Die Halme werden in Frostzeiten geerntet, ans Ufer gebracht und nach dem Trocknen gebündelt. Ein Bund hat einen Umfang von rund 60 Zentimetern. Für ein Hausdach benötigt man 500 bis 600 Bund. Reet ist ein gutes Isoliermittel, das im Sommer die Hitze und im Winter die Kälte abhält.
In Nordfriesland gibt es etwa 15 Fachbetriebe für Reetbedachungen. Mit Draht und einer fingerdicken Rundnadel werden die Reetbündel an die Dachlatten genäht, bis eine rund 30 Zentimeter dicke Schicht die Sparren des Dachstuhls bedeckt. Ein geübter Dachdecker schafft rund sechs bis sieben Quadratmeter an einem Arbeitstag. Ein fachgerecht gedecktes Dach aus gutem Material hält je nach Wind- und Sonnenseite 30 bis 70 Jahre.

Holander 1983, Jann 1999, Janus 1998, Quedens 2012, Schattke 1981.