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Nordfrieslandlexikon
Norderheverkoog

Norderheverkoog (fries.: Noorderheewerkuuch) Als Teil des Lohse-Plans, eines nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungs- und Landgewinnungsprogramms, begann man 1935 mit der Eindeichung des Vorlandes an der Küstenstrecke zwischen Westerhever und Uelvesbüll in Eiderstedt. Dazu wurde der 1896 angelegte 8,3 Kilometer lange Hever-Sommerdeich ausgebaut. 1937 war der etwa 720 Hektar große „Horst-Wessel-Koog“ gewonnen. Er wurde benannt nach einem zum Märtyrer hochstilisierten SA-Führer. Im Sinne der „Volksgemeinschaft“ entstanden neben 26 Stellen für Neubauern und fünf für Landarbeiter auch je eine für einen Bäcker, einen Schmied und einen Deichschäfer.

1945 erhielt der Koog seinen heutigen Namen. Er gehört in Teilen zu den Gemeinden Osterhever und Tetenbüll. Bereits 1940 folgte die Elektrifizierung, 1963 der Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung. Bei der Flurbereinigung 1971–79 wurden die Landstraße und die Feldwege ausgebaut. Da sich nach der Drainierung des Marschbodens die Bewirtschaftung mit Ackerbau und Tierhaltung gut entwickelte, entstanden nach 1950 weitere Arbeitersiedlungen und nach der Übergabe der Höfe an die zweite Generation ab den 1960er-Jahren auch Altenteile. Heute gibt es über 50 Gebäude im Koog.
Die Landwirtschaft unterlag strukturellen Veränderungen. Die Anzahl der Höfe nahm ab, die Ländereien pro Hof nahmen zu. Hofgebäude und Siedlungen wurden ohne Hofland an Nicht-Landwirte verkauft, die sie zum Teil als Ferienhäuser nutzen. Ein Landwirt betreibt eine Biogasanlage.

Kunz/Panten 1999, Panten/Porada/Steensen 2013, Sielverband Norderheverkoog 1988.