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Nordfrieslandlexikon
Haeberlin, Carl

Haeberlin, Carl * 15.12.1870 Ranchi-Bethesda/Indien, † 12.11.1954 Wyk/Föhr, Arzt, Regionalforscher, Volkskundler. Der Sohn eines aus Württemberg stammenden Missionars kam 1902 auf Veranlassung seines Freundes Karl Gmelin (1863–1941) nach Wyk und eröffnete eine Praxis als Allgemeinarzt. Später übernahm er die Leitung des „Vereins für Kinderheilstätten an den deutschen Seeküsten“, seit 1921 „Hamburger Kinderheim“. Gemeinsam mit Gmelin ergriff er 1926 die Initiative zur Gründung der Bioklimatischen Forschungsanstalt auf Föhr. Seine Forschungen trugen dazu bei, den therapeutischen Wert des Meeres und des Seeklimas zu erkennen. Das zusammen mit dem Meeresheilkundler Walter Goeters (1899–1955) verfasste Buch „Grundlagen der Meeresheilkunde“ (1954) wurde zu einem Standardwerk.

Intensiv befasste sich Haeberlin mit der Geschichte und Kultur seiner Wahlheimat. Es entstanden zahlreiche Arbeiten zur Heimat- und Volkskunde, vor allem über Trachten und Sitten und Gebräuche, darunter der Beitrag „Das Biiken in Nordfriesland“. Schon bei seiner Ankunft auf Föhr gehörte er zu den Mitbegründern des Naturwissenschaftlich-kulturhistorischen Vereins, des späteren Museumsvereins Insel Föhr. 1908 legte er den Grundstein für ein Museum mit dem Ziel, „ein fester Deich zu sein für die Wahrung der einheimischen bodenständigen Kultur gegen jede Entfremdung und Entartung“. Es wurde 1927 mit dem Namen Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museum versehen. Auf dem Gelände wurde er nach seinem Tod beigesetzt.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stand Carl Haeberlin auf Föhr im Mittelpunkt der kulturellen Bestrebungen. Er war u. a. Vorstandsmitglied des Nordfriesischen Vereins und zählte zu den Mitbegründern des Vereins Nordfriesisches Institut. Mit den Worten „Diar lewet för sin lidj an för sin lun, woort eler ferjiden“ – „Wer für seine Leute und sein Land lebt, wird nicht vergessen“ – wurde er 1941 in einer Festschrift des Museumsvereins geehrt. 1950 erhielt er die Ehrenbürgerwürde der Stadt Wyk. Auch eine Straße erinnert an den Arzt.

Carstens 1955/56, Preisler 1971, Schulze 1956, Sibbersen 1983, SHBL 7, Tholund 1971b u. 1996, Zacchi 1986.


Bruno Preisler, Rechtsanwalt und Notar in Wyk, schrieb 1971 über Carl Haeberlin: „Die Ärzte fuhren mit dem Fahrrad auf Praxis, der gute Haeberlin meist auf dem Bürgersteig, wobei er eventuelle Hindernisse mit einem herrischen ,hem, hem‘ beseitefegte. Man erzählte sich, daß er die ihm gerechterweise zudiktierten Strafbefehle sammle und zehnerweise durch sein Büro bezahlen lasse.“
Ein von Haeberlin immer wieder zitiertes Lebensmotto war: „Es kommt nicht darauf an, etwas anzufangen, sondern es durchzuhalten und zu vollenden.“