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Nordfrieslandlexikon
Grabhügel

Grabhügel (fer.:greewhuuger; frasch: huuge; sölr.: Hooger; wied.: greefhuupe) Die Sitte, Tote in Grabhügeln zu beerdigen, ist weder zeitlich noch geografisch einzugrenzen. Es gibt sie in Europa regional beinahe durchgängig, und auch die Hochkulturen kannten sie. Die Griechen der Antike warfen für ihre Helden ebenso Grabhügel auf wie die Römer oder die Merowinger. Erste Hügel wurden bereits in der Jungsteinzeit errichtet, die jüngsten sind in das 7. bis 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zu datieren. Zahlenmäßig überwiegen die Grabhügel aus der Bronze- und Eisenzeit. Die Grabhügel liegen gelegentlich allein, häufiger aber in Gruppen zusammen. Oft bilden sie größere Grabhügelfelder. Generell sind die frühen Gräber größer als die der jüngeren Epochen.

In der Jungsteinzeit war das Gebiet des heutigen Nordfrieslands durch eine bäuerliche Bevölkerung dicht besiedelt. Auf den Inseln zeigt sich dies durch eine Fülle an überlieferten Grabhügeln. Sie bestehen aus rechteckigen, aus großen Steinen erbauten Kammern, die zumeist mit einem Steinkranz umgeben und mit Erde, Heideplaggen oder Grassoden bedeckt wurden. Ihre Form ist zumeist rund, mitunter oval, seltener auch lang gestreckt. Auf Sylt z. B. zählte 1958 der Vor- und Frühgeschichtler Karl Kersten (1909–1992) bei seiner archäologischen Landesaufnahme 39 Rundhügel und 35 Langbetten, darunter den Denghoog in Wenningstedt. Als Grabbeigaben fand man u. a. Steinäxte und Flintbeile.

Die Funde bronzener Grabbeigaben zeigen, dass sich in der Bronzezeit auf dem Festland die Bestattung in Einzelgräbern durchsetzte. Neben der Sitte, die Toten in Baum- oder Bohlensärgen zu bestatten, wurden zunehmend Grabkisten aus Steinplatten gefertigt. Als häufigste Grabgüter der Männer fand man Bronzeschwerter, Feuerschlagsteine und Pyritknollen sowie aus Golddraht gefertigte Schmuckringe. Auch Geräte zur Körperpflege und zur Tätowierung der Haut waren darunter. Typische Grabhügelgruppen aus jener Zeit sind z. B. die Söbenbargen in der Gemeinde Viöl, der Esenhugh und die Steinkammer Ual Höv in Steenodde auf Amrum oder Monklembergem und Triibergem bei Süderende und Utersum auf Föhr. Fundstücke sind u. a. im Dr.-Carl-Haeberlin-Friesen-Museum in Wyk auf Föhr zu sehen.

Während der Beisetzung der Toten wurden Weihe- und Opferhandlungen vorgenommen. Die Zeremonien geschahen innerhalb eines Grabbezirkes, der durch einen Steinkreis oder durch einen Ringgraben begrenzt war. Gefunden wurden die Reste von Opferfeuern, auch das Zerschlagen von Tongefäßen vor der Aufschüttung des Grabhügels konnte nachgewiesen werden.

In der mittleren Bronzezeit setzte sich die Leichenverbrennung durch, in der jüngeren Bronzezeit die Urnenbestattung. Als Bestattungsorte dienten auch ältere Grabhügel. Auf der Geest Nordfrieslands ist eine deutliche Reihung bronzezeitlicher Grabhügel festzustellen, die auf ehemalige Wegetrassen schließen lässt. Die stärkste Häufung zeigte sich im südlichen Kreisgebiet, wo mittelschwere Böden die besten Voraussetzungen für eine bäuerliche Nutzung boten.

In der Wikingerzeit, im 8. und insbesondere im 9. Jahrhundert, nahm die Bevölkerung schnell zu. Die nun typischen Begräbnisstätten waren Grabhügelfelder, die z. T. mehr als 100 Bestattungen umfassten. Die Toten wurden eingeäschert und zumeist mit nur wenigen Beigaben in ei- oder kugelförmigen Gefäßen beigesetzt. Sowohl die Begräbnisform als auch Keramik und Beigaben weisen auf enge Verbindungen mit den Küstenländern der südlichen Nordsee hin.

Für die Bevölkerung waren die Grabhügel lange Zeit magische Orte. Sie gingen vor allem in die Sagen der Inseln ein.

Faltings 1996, Handelmann 1873, C. P. Hansen 1877, Harck/Kossack/Reichstein 1992, Kersten/La Baume 1958, Kersten 1971, Koehn 1974, La Baume 1953, Quedens 2012, Reichstein 1982 u. 1996, Rinken 1992.