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Nordfrieslandlexikon
Carstens, Goslar

Carstens, Goslar * 28.7.1894 Husum, † 1.1.1978 Husum, Jurist. Carstens eröffnete 1924 eine Anwaltspraxis in Husum. Als ehemals führendes Mitglied des „Stahlhelm“ geriet er mit dem Nationalsozialismus in Konflikt und entging nur mit Hilfe einflussreicher Freunde einer Einweisung in ein Konzentrationslager. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1946 Bürgermeister in Husum, danach Rechtsanwalt und Notar. Er verfasste unzählige Arbeiten zur Geschichte Nordfrieslands, hauptsächlich auf den Gebieten Rechtsgeschichte wie etwa „Deichwesen und Deichrecht in Nordfriesland“ für den Sammelband „Nordfriesland“ (1929), mittelalterliche Geschichte wie z. B. „Myld, Milde und Mildeburg“ und Biografien von Nordfriesen.

Carstens war die treibende Kraft in dem ursprünglich von der britischen Militärregierung angeordneten Bestreben, einen Zusammenschluss zwischen dem Nordfriesischen Verein und der Foriining for nationale Frasche (jetzt Friisk Foriining) herbeizuführen. Eine Besinnung auf die eigene Kraft und die verbindende friesische Sprache sollten nach seinen Vorstellungen zu einem neuen, politisch neutralen, friesischen Kulturverein führen. Der mit großem diplomatischem Geschick vorbereitete Schulterschluss wurde zwar in letzter Minute sabotiert, doch schaffte Carstens 1947 die Einrichtung des Vereins Nordfriesisches Institut als Dachorganisation aller in friesischer Geschichte, Kultur und Sprache interessierten Menschen. Er wurde 1949 Mitherausgeber des ersten Jahrbuchs des Nordfriesischen Instituts und leistete hieran die Hauptarbeit bis 1963. Der Verein ernannte ihn 1974 zum Ehrenmitglied.

Kunz/Steensen 2000.